Tanto tiempo…

„Tanto tiempo“ (ungef. „So lange…!“) beginnt eine Begrüßung auf Spanisch, wenn man sich nach mehr oder weniger langer Zeit wiedersieht. Als ich vor einem Monat nach Orán zurückgekehrt bin, war es wirklich eine gefühlte Ewigkeit her, dass ich die Leute dort das letzte Mal gesehen hatte: mehr als zwei Jahre! Dementsprechend gespannt war ich auch, die Stadt wiederzusehen, in der ich ein knappes Jahr gelebt hatte.

Die Ankunft in Buenos Aires war erneut ein Kulturschock. Obwohl ich schonmal hier war und die Straßen, die Kultur, die Sprache kannte – zunächst war alles irgendwie fremd, wie wen man ein Land zum ersten Mal besucht. Dieses Gefühl hielt auch noch eine ganze Zeit an, ganz genau bis ich in Orán die ersten Gesichter sah. Plötzlich war alles wieder wie vor zwei Jahren, ein bisschen zumindest. Fast so ähnlich, wie nach langer Zeit nach Hause zurückzukehren.

Die drei Wochen in Orán sind wie im Flug vergangen. Fast jeder Tag war voll mit Treffen, Begegnungen und Essenseinladungen. Ein schönes Gefühl, so viele Freunde auf einmal wiederzutreffen.

Aber einiges hat sich eben in den letzten zwei Jahren doch geändert: das Mikrokreditprogramm, in dem ich gearbeitet hatte, existiert nicht mehr, im Kinderheim kannte ich nur noch wenige der z. Zt. dort lebenden Kinder und die wirtschaftliche Situation Argentiniens macht auch vor Orán keinen Halt. Hinzu kommen viele kleinere Veränderungen.

Am Ende waren drei Wochen natürlich viel zu kurz und wieder musste ich Abschied nehmen, gerne wäre ich noch etwas länger geblieben…

 

PS1: Das Kapellenprojekt geht voran: ein großer Teil steht schon, die erste Messe ist schon längst dort gefeiert worden. Bilder und der aktuelle Stand hier: KLICK!

PS2: Ein paar Photos von meiner Argentinienreise gibt es hier: KLICK!

 

Meine Nachfolger…

… in Orán sind mittlerweile in Argentinien gelandet. Angelika, Sheila, Leo und Katja werden für ein Jahr in Orán im Mikrokreditprogramm, in der Casa Divina Providencia, im Kinderheim und im Centro San José arbeiten. Euch alles Gute, eine gute Zeit!

Die Vier berichten unter 4freiwillige-in-oran.jimdo.com und katja-in-argentina.jimdo.com über ihren Einsatz.

10 Monate

Gerade sitze ich im Zug nach Stuttgart, um mich dort mit Sebastian und Angelika, meiner Nachfolgerin in Orán zu treffen. Zeit für einen Rückblick.

Vor etwas mehr als 10 Monaten bin ich nach Argentinien aufgebrochen, mit vielen Erwartungen, denn einiges hatte ich schon von ehemaligen Freiwilligen gehört oder gelesen und auch ein paar Photos gesehen. Trotzdem fällt es mir schwer, die Frage zu beantworten, ob es denn so gewesen sei, wie ich es mir vorgestellt hätte. In Wirklichkeit ists doch meistens ganz anders, als man es in Berichten gehört oder sich eben vorgestellt hat. Eine Frage kann ich aber ganz sicher beantworten, nämlich die, ob’s ein gutes Jahr war: ja!

Auch wenn ich am Flughafen in Buenos Aires letztes Jahr im September fast verzweifelt wäre, weil ich doch viel weniger verstanden habe, als ich gehofft hatte. Auch wenn es regelmäßig Situationen gab, in denen ich über die südamerikanische Art den Kopf geschüttelt habe und mir zumindest ein bisschen „deutsche Ordnung“ gewünscht habe. Auch wenn ich vor allem an Tagen wie Weihnachten Familie und Freunde aus Deutschland vermisst habe. Und auch wenn vieles manchmal echt (unnötig) kompliziert und umständlich war: Ich habe die Entscheidung zu diesem Einsatz keine Sekunde bereut.

Nein, im Gegenteil: ich durfte eine neue Kultur kennenlernen, die zwar durch frühere Einwanderer unserer Kultur in vielem ähnlich ist, aber doch auch viele Unterschiede hat. Dadurch beeinflusst habe ich auch eine andere Art von Kirche erleben können, die zwar auch katholisch ist, aber doch ganz anders, als in Deutschland. Das Bewusstsein, selbst ein Teil der Kirche zu sein und die daraus erwachsende Verantwortung zur Mitgestaltung und Mitarbeit z.B. ist bei den Christen viel stärker, als in der deutschen „Dienstleistungskirche“. Aber auch ganz allgemein wird der Glaube offener und selbstverständlicher gelebt.

Ich durfte auch neue Freunde kennenlernen und auch von ihnen unheimlich viel lernen und mitnehmen. Aber auch die Arbeit im Kinderheim, mit den Mikrokrediten und der Verwaltung haben mir viele reiche und unterschiedliche Erfahrungen gebracht. Ob Hausaufgabenbetreuung, Computerunterricht, Workshops, Hausbesuche und Gespräche, oder auch die Besuche bei den Indígenas. Jede einzelne Begegnung war unsagbar wertvoll.

Dazu kommen natürlich auch noch einige ganz praktische Erfahrungen, wie die Sprache oder die Verwaltungsaufgaben.

Auch auf meinem Weg der Nachfolge Jesu waren die letzten zehn Monate eine wertvolle Zeit. Das Vergangene und das, was kommen wird aus einem ganz anderen Blickwinkel und in einem ganz anderen Kontext zu betrachten, lässt mich Vieles klarer sehen.

Insgesamt glaube ich, durch die Erfahrungen und Erlebnisse, die ich im vergangenen Jahr machen durfte, einen weiteren Blick bekommen zu haben. Vieles sieht einfach jetzt ganz anders aus. Dinge, die vor einem Jahr noch selbstverständlich und normal waren, sind das jetzt nicht mehr.

Momentan denke ich noch ziemlich häufig an Orán, rechne Euro in Peso um, trinke hin und wieder Mate und bin in Gedanken eigentlich mindestens so viel in Argentinien, wie in Deutschland. Aber auch, wenn das weniger werden sollte, werde ich die vergangenen zehn Monate bestimmt nie vergessen. Das hoffe ich zumindest.

Auf jeden Fall bin ich unendlich dankbar für das letzte Jahr und die gemachten Erfahrungen und hoffe, dass ich bald – zumindest für ein paar Wochen – wieder nach Argentinien fliegen kann…

Wieder in Deutschland

Seit gestern bin ich zurück auf deutschem Boden. Der Flug war in Ordnung, wobei argentinische Reisebusse wesentlich bequemer sind, als deutsche Flugzeuge.

Vorbereitet durch Buenos Aires war der „Kulturschock“ hier in Deutschland nicht ganz so groß. Trotzdem ist der Unterschied enorm. Angefangen vom Wetter über die Ordnung bis zur Art der Menschen. Was mich auf den ersten Blick am meisten zum Nachdenken bringt, ist die Konsumgesellschaft. Heute bin ich hier in Frankfurt durch die Einkaufsstraße gegangen und vieles, was vor einem Jahr ganz normal war, wirkte doch eher fremd auf mich. Vielleicht schreibe ich in den nächsten Tagen noch etwas mehr dazu.

Bis Freitag bin ich noch in Frankfurt, Donnerstag gehts nach Nürnberg in die Jesuitenmission und am Freitag fahre ich nach Hause.

Ein anderes Land?!

Avenida 9 de Julio

Wenn die Argentinier von den „Porteños“ („Hafenbewohner“) sprechen, meinen sie die Bewohner von Buenos Aires. Oft scheint es, als ob von einer anderen Nation die Rede ist – und ganz falsch ist das nicht. Als ich gestern angekommen bin, habe ich nicht wirklich viel mitbekommen und war dazu auch zu müde. Als ich heute das Hotel verlassen habe, war ich geschockt von der Fülle an Eindrücken, von dem Tempo, von allem.

Allein die Tatsache, dass die Straßen in Spuren aufgeteilt sind, ist schon ein Unterschied zu Orán, wenn es dann aber gleich 14 (bzw. 20) Spuren sind, ist das ein ziemlich krasser Unterschied.

Alles ist hektisch, die Menschen hetzen von einem zum anderen Ort – auch zur Siestazeit. Keine Spur von südamerikanischer Gelassenheit. Buenos Aires will zur ersten Welt gehören – zumindest auf den ersten Blick gibt’s kaum Unterschiede zu einer europäischen Großstadt. Den Norden – und damit kleine, verschlafene Städte wie Orán – hat man hier schon längst vergessen: „Orán – das liegt doch irgendwo im Norden, da im Urwald. So weit weg?!“

Ciao, hasta pronto?!

Schwerer Abschied am Busterminal.

Nach mehr als 27 Stunden Busfahrt bin ich endlich in Buenos Aires angekommen. Trotzdem kam mir die Fahrt nicht allzulange vor und weil die letzte Nacht ziemlich kurz war, konnte ich sogar relativ gut schlafen.

Im Bus gab es seit drei Tagen das erste Mal Zeit zum Luftholen. Die letzten drei Tage waren dermaßen vollgestopft und die Zeit reichte nur ganz knapp um noch alles mehr oder weniger zu erledigen. In der Nacht zum Donnerstag habe ich um 1 Uhr meine Verabschiedungstour beendet, nach drei Stunden Schlaf ging’s dann weiter mit Kofferpacken, aufräumen und den letzten Verabschiedungen. Um 10 Uhr dann in den Hogar zur letzten und schwierigsten Verabschiedung. Die Chicos sind mir – obwohl manchmal sehr anstrengend – doch ziemlich ans Herz gewachsen.

Nach der Messe gab’s Suppe und – zur Feier des Tages Pizza. Zum Nachtisch Eis. Dann hatte die Hermana noch eine Powerpoint-Präsentation vorbereitet mit Photos aus dem vergangenen Jahr. Die ein oder andere Träne musste ich mir schon verkneifen.

Zum Busterminal haben mich Eva, José Luis, Cristina, Rita, Marcela und Ramona begleitet bis es dann endgültig „Ciao“ hieß. Hoffentlich ist es ein „Ciao, hasta pronto“ (bis bald)…

Abschied

Die Zeit rast. Meine Koffer sind noch nicht gepackt, es gibt noch tausend Dinge zu erledigen, aber in einer Woche werde ich schon in Frankfurt sein. Unglaublich! Hier in Orán bleiben mir noch zwei Tage, am Donnerstag geht um 16:30 Uhr mein Bus in Richtung Buenos Aires.

Am Samstag habe ich hier im Centro meinen Abschied gefeiert, am Sonntag gabs einen Ausflug mit den Hogarkindern, am Abend Pizzaessen mit den älteren Jungs und Mädchen aus dem Hogar. Die letzten drei Tage in Orán sind für einige Orga-Sachen und Besuche geplant. Am Donnerstag werde ich mich – bevor es dann nach Buenos Aires geht – im Hogar verabschieden.

Ein komisches Gefühl. 10 Monate sind doch eine lange Zeit, auch wenn sie wie im Flug vergehen. Auch wenn ich mich auf Deutschland freue, würde ich am liebsten noch etwas länger bleiben…

Patronatsfest und Grundsteinlegung

Am letzten Sonntag war Patronatsfest im Barrio San Juan. In der Messe, die mit einer Prozession durchs Barrio begonnen hat, wurden 25 Kinder getauft, sodass die Feier gut zwei Stunden gedauert hat, gegen Ende waren sogar Scheinwerfer nötig, denn die Sonne war schon verschwunden. Aus diesem Anlass hat Padre Juan Pablo auch den Grundstein für die Kapelle gesegnet. In den nächsten Tagen soll mit der ersten Bauetappe begonnen werden. Weitere Hinweise zum Projekt und das Spendenkonto hier: http://peter.winkeljohann.de/projekt-capilla-juan-bautista/

Hier einige Photos vom Sonntag:

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