Camino-Tagebuch

30-06-2009: Es ist 6:30 Uhr morgens und ich sitze im Flugzeug von Düsseldorf nach Biarritz. Frei nach dem Motto HaPe Kerkelings „Ich bin dann mal weg!“, mache ich mich auf den Weg nach Frankreich um den Jakobsweg zu gehen, denn sein Buch war es, das mich mehr oder weniger auf den Gedanken gebracht hat. Vorher habe ich noch nie etwas von diesem Weg gehört. Was genau ich an dem Weg, wie er ihn beschrieben hat, so faszinierend fand, kann ich nicht mal sagen. Ich wusste nur vor ein paar Jahren, nach dem ich HaPes Buch gelesen hatte, dass ich das auch mal machen will. Und jetzt nach der Schule und vor dem Studium habe ich quasi Zeit ohne Ende. Und wann so etwas machen, wenn nicht jetzt. Soviel Freiheit und Freizeit habe ich wohl in absehbarer Zeit nicht mehr. Gesagt getan, Anfang April habe ich meinen Flug gebucht (gut, dass ich das so früh gemacht habe, sonst hätte ich es mir wahrscheinlich noch anders überlegt). Meinen Rucksack und die Wanderschuhe habe ich ein paar Wochen später, nachdem der „Abistress“ vorbei war, gekauft. Sauteuer das ganze Krams, aber wohl notwendig. Beides stand dann mehr als einen Monat in meinem Schlafzimmer herum, die Schuhe habe ich zwischendurch mal ausprobiert, den Rucksack habe ich schon ziemlich früh gepackt und tausendmal wieder umgepackt. Vorgenommen habe ich mir zwar, ein etwas längeres Stück mit den Wanderschuhen zu gehen, dabei ist es aber auch geblieben.

Jetzt sitze ich hier im Flugzeug und wo das Ganze langsam näher kommt, kommen schon hier und da Zweifel, ob ich das wohl schaffe. Ohne wirkliche Wandererfahrungen. Was da alles passieren kann! Wahrscheinlich kriege ich irgendwelche Knieprobleme wie Hape oder so viele Blasen an den Füßen, dass ich gar nicht mehr gehen kann…

Dann endlich in Biarritz angekommen (manche fahren 30 Stunden mit dem Bus hier hin!), habe ich auch sofort zwei weitere Pilger getroffen, die ich erst mal auf Spanisch und dann auf Englisch angesprochen habe, bis wir dann gemerkt haben, dass wir alle aus Deutschland bzw. aus Österreich kommen. Zusammen ging es dann weiter zum Bahnhof und von dort zum berühmten Ort St.-Jean-Pied-de-Port. Plötzlich war alles voller Pilger. Ganze Ströme gingen in Richtung Zentrum, wo die Pilgerherbergen sind. Wir haben gleich den ersten großen Fehler gemacht: aus Angst, keinen Platz mehr zu bekommen, sind wir in die erstbeste Herberge rein, die im nachhinein betrachtet, die schlimmste auf dem ganzen Weg war. Im ganzen Haus liefen Hunde und Katzen rum (weshalb ich mich auch in eines der oberen Betten verkrochen habe), Schuhe (auch Badelatschen) waren im gesamten Haus und folglich auch im weniger sauberen Badezimmer verboten. Zu allem Überfluss war es knalleheiß, sodass ich in der Nacht nicht wirklich gut geschlafen habe.

01-07-2009: Heute morgen wurde ich um 5 Uhr schon durch den lauter werdenden Geräuschpegel im Schlafzimmer geweckt. Da die Herberge erst um 6 Uhr öffnete, konnte man sich Zeit lassen. Dann aber nichts wie raus! Die Zähne haben wir uns am Brunnen geputzt und los. Schon nach ein paar hundert Metern steil bergauf war ich froh, mir am Tag zuvor noch einen Wanderstock gekauft zu haben.

Schon nach den ersten Kilometern dachte ich, das schaffe ich nie! Der Weg wurde immer steiler, ich immer langsamer und mich überholten gefühlte 100 Leute. Im ersten und zugleich letzten Ort auf dieser Etappe habe ich dann erst mal Pause gemacht, eine kühle Cola getrunken (schmeckt nirgends so gut, wie auf dem Camino) und Druckstellen an den Fersen (vom bergauf gehen) abgeklebt. Hier habe ich auch Claudi und Susi getroffen.  Die beiden anderen waren mir zu schnell, die sehe ich wenn überhaupt erst in Roncesvalles wieder.

Die nächsten Kilometer gingen dann, nachdem ich so langsam das passende Gehtempo gefunden und mich an den Rucksack gewöhnt hatte, recht gut. Vielleicht auch, weil der ganze Weg voller Pilger war und man dauernd von irgendjemandem angequatscht wurde. Paul Watzlawicks These – wenn auch anders gemeint – trifft auch hier zu: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“. Zumindest ist es schwer.

Ich kann jetzt schon keine Berge mehr sehen. Kaum ist man auf der ersten Bergkuppe angekommen, da sieht man schon den nächsten Berg. Aber irgendwann habe ich es dann auch geschafft und es ging bergab. Die Freude darüber hielt jedoch nur kurz an, denn das war noch viel schlimmer. Nachdem mir bis hierhin nur meine Füße und mein Rücken (vom Rucksack) weh taten, tat es nun überall weh. Man lernt auf so einer Reise seinen Körper komplett neu kennen. Die letzten Kilometer nach Roncesvalles kamen mir dann wie eine Ewigkeit vor. So war ich dann auch total ausgepowert, als ich um kurz vor vier nachmittags dort ankam. Vor dem Pilgerbüro hatte sich schon eine lange Schlange gebildet und überall am Rand saßen Pilger, die aussahen, als wären sie zwei Tage durchgewandert. Überall wurde mit Pflastern und Verbänden rumgedoktert. Es gibt scheinbar welche, denen es noch viel schlimmer ergangen ist. Vieles kann man sich aber auch einreden. Als ich dann endlich mein Bett zugeteilt bekommen hatte (Etagenbett ohne Leiter), habe ich mich raufgequält und musste erst mal ausruhen. 26,9 Kilometer an einem Tag zu Fuß. Und solche Strapazen jeden Tag?

Beim Pilgermenü habe ich dann Claudi und Susi und auch die beiden Bekanntschaften aus Biarritz wiedergetroffen. Letztere wollen morgen die 40 Kilometer bis Pamplona gehen. Die sehe ich wohl nicht mehr wieder. Nach dem Abendessen habe ich mich noch zur Pilgermesse geschleppt und bin dann todmüde und mit Muskelkater an allen möglichen und unmöglichen Stellen ins Bett gefallen.

02-07-2009: Meine Hoffnung, dass die gestrige Herberge bezüglich der morgendlichen Öffnung eine Ausnahme war, erwies sich leider als falsch. Auch in Roncesvalles war Aufstehen vor 6 Uhr unerwünscht. Dafür wurde um Punkt 6 das Licht angeschaltet und alle, die noch schliefen mit gregorianischem Choral geweckt. Da die sanitären Anlagen hier zwar nicht gerade im Übermaß vorhanden waren, aber um einiges besser waren, als die in Saint Jean, habe ich sie dem Brunnen vorgezogen – nachdem ich mich mit höllischem Muskelkater aus dem Bett gequält hatte.

Draußen am Brunnen dann noch schnell die Wasserflasche aufgefüllt und los. Ein Teil des Weges ging durch Wald, man musste schon ein bisschen aufpassen, dass man nicht stolperte, denn so hell war es noch nicht. Trotz Muskelkater ging es aber einigermaßen voran.

Im nächsten (oder übernächsten?) Ort habe ich dann Claudi und Susi wiedergetroffen und in einem „Supermercado“ dann auch endlich einen Strohhut gefunden, der mir nicht zu klein war. Dort habe ich mir auch ein Baguette (ich kann die Dinger jetzt schon nicht mehr sehen) und ’nen Apfel gekauft. Dachte mir, ein bisschen gesund sollte man sich vielleicht schon ernähren. Und so ein Baguette komplett ohne was dabei schmeckt auch nicht wirklich gut.

Zu allem Überfluss sah es nun am Himmel sehr nach Regen aus. Also erst mal Regenjacke an und auch den Rucksack regenfest gemacht. Einige Minuten später waren zwar die Wolken wieder weg, ich aber trotzdem nass, weil die Regenjacke zwar wohl kein Wasser reinlässt, aber eben auch nicht wirklich atmungsaktiv ist. Also den ganzen Regenkrams wieder aus. Ein gutes hatte das eher durchwachsene Wetter aber: da die Sonne nicht wirklich schien, brauchte ich mich auch nicht mit Sonnenmilch einkleistern.

Ein paar Kilometer vor Zubiri habe ich dann Lynn aus Kanada wiedergetroffen. Die Frau macht schon seit März eine Reise durch Europa und ist nun auf dem Camino angekommen (ich frage mich, wo die Leute die ganze Zeit hernehmen). Lynn habe ich auch gestern schon getroffen und mich gut mit ihr unterhalten, was die Tatsache vereinfachte, dass sie sehr gut Deutsch spricht, denn ihr Mann kommt wohl aus Deutschland. Mit ihr habe ich dann meine tägliche und obligatorische Cola getrunken.

Auf den letzten Kilometern bis Zubiri kam dann noch Bruno aus Italien mit Minirucksack dazu. Ich frage mich, wie der damit zurechtkommt. Da passt doch allerhöchstens ein Schlafsack und eine Zahnbürste rein.

Als ich dann endlich in Zubiri war (muss so gegen 14 Uhr gewesen sein), saßen schon zwei Mädchen aus Stuttgart auf einer Bank am Ortseingang. Die beiden wollten auch dort bleiben. Also sind wir zur ersten Herberge gegangen, die natürlich schon voll war. Auch in der zweiten, öffentlichen Herberge waren schon alle Betten belegt. Nachdem wir dann alle Pensionen und Hotels abgeklappert hatten, man auch dort keine freien Zimmer hatte, die Sonne immer heißer brannte und wir nach nur 22,8 Kilometern absolut nicht mehr bis zum nächsten Ort hätten weitergehen können und wollen, hat einer der beiden Stuttgarterinnen Telefonnummern von Taxiunternehmen ausfindig gemacht, aber schon nach dem ersten Anruf war klar, dass wir nicht gut genug Spanisch können um am Telefon ein Taxi zu bestellen und der Typ am anderen Ende der Leitung auch nicht wirklich Lust hatte uns zu verstehen. Vielleicht auch gut so. Als dann um 15:30 Uhr die Hospitalera der öffentlichen Herberge kam um die Pilgerausweise zu stempeln, zu kassieren und – noch eine Turnhalle als Notunterkunft zu öffnen, waren wir die drei glücklichsten Menschen der Welt. Ich glaube ich habe mich noch nie so über eine uralte, auf dem Boden liegende Matratze gefreut, wie an dem Nachmittag.

Hier musste ich mich dann doch noch einkremen, weil die Sonne brannte, dass man schon beim Nichtstun schwitzte.

In der Herberge (bzw. in der Turnhalle) habe ich mir dann mal wieder meine Füße neu verarztet und meinen Daumen, an dem ich schon vom Wanderstab eine Blase bekommen habe. Danach dann noch Müsliriegel und Bananen einkaufen, um die Zeit bis zum Pilgermenü um 19 Uhr zu überbrücken. Das war dafür dann aber auch reichlich und lecker. Hinterher sofort ins Bett (die Wäsche ist hier wegen der weniger guten Sanitäranlagen etwas sparsamer ausgefallen).

03-07-2009: Trotz Turnhalle habe ich super geschlafen. Es war angenehm kühl und man musste auch nicht unter Platzangst leiden. Den Wecker hatte ich mir auf 5 Uhr gestellt, bin dann auch sogar um 5:15 Uhr aufgestanden, dafür aber erst um 6 Uhr nach diversen Fuß- Verarztungen losgekommen. In Larasoaña habe ich dann Julian und Jenny wiedergetroffen. Das letzte Mal habe ich die beiden in Roncesvalles getroffen. Trotz deren nicht langsamem Tempo bin ich einige Kilometer über Stock und Stein und durch den Wald mit ihnen gegangen. So langsam ließ die Steigung dann auch endlich mal nach.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, größere Städte möglichst als Tagesziel zu vermeiden. Aber weil ich um 13 Uhr schon in Pamplona war (sehr schöne deutsche Herberge vom Jakobusverein Paderborn), noch genügend Betten frei waren und weder Motivation noch körperlicher Zustand heiß auf weitere 5 Kilometer waren, bin ich einfach dort geblieben. Hier gab es dann sogar eine recht gepflegte Dusche (was in den letzten Tagen nicht immer der Fall war). Bei der Ankunft gab es dann auch noch ein „Begrüßungsgetränk“, wodurch das Haus Fünf-Sterne-Hotel-Charakter bekam.

Nach einer verhältnismäßig kurzen Verschnaufpause (wenn ich schon mal in Pamplona bin, will ich auch was sehen!), habe ich dann zusammen mit Eleonore aus Neuseeland Wäsche gewaschen. Sie habe ich auch die letzten Tage immer wieder gesehen. In der Herberge gab es sogar eine Wäscheschleuder. Gestern musste ich mein T-Shirt zum Trocknen an den Rucksack hängen, weil es am Tag zuvor nicht warm genug war. Als ich dann an meinem Etappenziel war, war das T-Shirt vom Staub schon wieder so dreckig, dass ich es noch mal waschen konnte.

Dann auf zur Kathedrale, was gar nicht so einfach war. Erst mal ging es stark bergauf und dann war es auch noch brüllend heiß. Die Kirche war natürlich zu und nur gegen Eintritt zu besichtigen. Dann weiter zur Touristeninformation, vorher Postkarten gekauft. In der Touri-Info habe ich dann erfahren, dass das Postamt genau am anderen Ende der Stadt liegt, es aber auch in Tabak-Läden Briefmarken gibt (da Siesta war, hatte natürlich kein Tabakladen geöffnet).

Abends bin ich dann zur Messe. Die Spanier reden einfach zu schnell. Man versteht einfach kaum etwas. Hinterher dann Pilgermenü in der Bar direkt neben der Kirche (von der Herberge empfohlen). Ich hatte mich schon drauf eingestellt, alleine essen zu müssen, da saßen dann aber plötzlich Karin und Maria aus Deutschland (beide Kindergärtnerinnen) dort. Karin hatte uns in Zubiri ausführlich bemitleidet und uns Mut gemacht, als wir nicht wussten, ob wir noch einen Schlafplatz im Ort bekommen würden. Also habe ich mich einfach mal zu den beiden gesetzt. Es war dann auch noch ein ganz netter Abend!

04-07-2009: Heute gab’s sogar Frühstück in der Herberge. Allerdings war das sehr spanisch. Sprich: Toast mit Marmelade und O-Saft. Da kann man doch nicht satt von werden. Na ja. Um 6:30 Uhr ging es dann los, allerdings mehr schlecht als recht. Meine linke Ferse (mit immer größer werdender Blase) tat so weh, dass ich relativ lange brauchte um ein paar Kilometer zu schaffen und dann darüber nachgedacht habe, nur die 6 Kilometer bis zur nächsten Herberge zu gehen. Auf dem Weg habe ich eine supernervige Italienerin getroffen, die mir schon ein paar Mal über den Weg gelaufen ist.

Im nächsten Ort gab’s dann erst mal eine halbe Stunde Pause. Habe mir vorgenommen, die nächsten 3-4 Kilometer bis zum nächsten Ort noch zu probieren und wenn gar nichts mehr geht, den Bus zu nehmen. Während des Laufens ließen die Schmerzen dann etwas nach. Im nächsten Ort war auch weit und breit keine Bushaltestelle zu sehen, sodass ich gar nicht erst in Versuchung kam.

Heute war es natürlich zu allem Überfluss wieder sehr bergig. Trotzdem kein Vergleich zu den Pyrenäen am ersten Tag. Bis zum „puerto de perdon“ – dem Tor der Gnade oder so. Auf dem Weg nach oben habe ich ein französisches Ehepaar mit Esel überholt. Die drei sind in Frankreich gestartet und schon einige Monate unterwegs.

Nach der Passhöhe ging es dann natürlich wieder steil herunter. Bis Uterga. Dann noch 3,9 Kilometer weiter bis Obanos. Hier gibt es eine wunderschöne Herberge, in der fast nichts los ist (wohl, weil der nächste größere Ort – Puente la Reina – nur 3 Kilometer entfernt ist). Aber die 21,9 Kilometer haben mir für heute gereicht. Die Fußschmerzen waren gegen Ende der Etappe fast weg, als ich um halb 3 in der brühenden Hitze angekommen bin, war ich trotzdem heilfroh.

Gerade höre ich im Vorraum der Herberge die nervige Italienerin. Sie scheint auch hier zu übernachten. Auf dem Weg hat sie mir angeboten, mit ihr und ihren Freundinnen zu gehen, was ich glücklicherweise ablehnen konnte („Ich würde gerne mit euch gehen, aber ich kann heute nicht so schnell laufen, meine Füße tun höllisch weh.“).

Am Abend war ich noch in der Vorabendmesse zum Sonntag. Die Italienerin wollte auch, hat es sich aber anders überlegt, weil die Messe erst um 20 Uhr war und sie ihre Freunde nicht überzeugen konnte, mitzukommen. Die hatten Hunger und wollten sofort was essen.

05-07-2009: Ich schaffe es einfach nicht, früher aufzustehen. Bin heute wieder um 6 Uhr gestartet und habe auf dem Weg natürlich unzählige Male meine Lieblingsitalienerin getroffen. Vor Estella habe ich dann endlich Claudi und Susi wiedergetroffen. Die beiden machen scheinbar mittags ausgiebig Siesta und saßen schon `ne Stunde dort. Zusammen sind wir dann in die öffentliche Herberge von Estella gegangen. Hier gibt’s auch Frühstück!

Trotz den 25,3 Kilometern heute, bin ich nicht so geschafft, wie in den letzten Tagen.

Nach dem Duschen, meiner obligatorischen Cola und `nem Anruf von Zuhause bin ich für einige Zeit eingeschlafen. Jetzt bin ich noch müder.

In unserer Herberge sind auch Julian und Jenny, die ich das letzte Mal vor zwei Tagen gesehen habe. Die Italienerin ist natürlich auch hier und auch noch im gleichen Schlafsaal wie ich. Glaube, sie hat mich auch schon gesehen…

Am Abend gab’s mal wieder ein Pilgermenü in einer Bar am großen Platz. Mit Alex, Claudi und Susi, Julian, Jenny, zwei Koreanern, sowie Pierre und Nicolas aus Belgien. War ein sehr schöner und vor allem lustiger Abend! Nur Jenny gefiel ihr Essen nicht so gut, was nur aus ein paar Rippchen bestand, aber – wie sich später herausstellte – das teuerste von allen war. Da Alex mehr oder weniger die Bar ausgesucht hat, wurde er von Jenny verantwortlich gemacht. Wie gesagt, ein sehr lustiger Abend…

06-07-2009: Heute morgen bin ich mal nicht alleine losgelaufen, sondern mit Susi und Claudi gestartet. Ins Gespräch vertieft, waren wir schon ein bisschen verwundert, als wir schon im 9 Kilometer entfernten Ort waren.

Bis zur letzten Pause, 7 Kilometer von Los Arcos entfernt, ging es richtig gut und schnell voran. Danach aber nicht mehr. Meine rechte Seite tat plötzlich so weh, dass ich nur im Schneckentempo vorangekommen bin. Mit Mühe und Not und nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich dann in Los Arcos angekommen. Am Ortseingang musste ich mich dann erst mal ausruhen, denn hier gab es einen Getränkeautomaten. Im Ort kamen dann Claudi und Susi auch plötzlich auf mich zu. Die beiden hatten `ne etwas längere Pause gemacht. Zusammen sind wir dann bis zur Herberge gegangen. Julian, Jenny und die beiden Belgier sind auch hier. Die Italienerin ist noch nicht hier. Kassandra und Selma habe ich auch gerade wiedergesehen. Sie sind auch in unserer Herberge.

07-07-2009: Heute ging es bis Viana (19 Kilometer). Die Herberge befindet sich in einem Pfarrhaus, glücklicherweise liegt sie etwas versteckt, sonst wäre sie bei meiner Ankunft bestimmt schon voll gewesen. Die Schlafgelegenheiten sind relativ einfach, einige Matratzen sind in zwei Räumen auf dem Boden verteilt. Die beiden sehr netten Hospitaleros haben super-leckeres Abendessen gemacht. Frühstück gibt es hier scheinbar auch und noch dazu alles auf Spendenbasis. Einziger Nachteil: Die Hospitaleros können fast nur Spanisch.

Phillipp und Claudi sind auch in dieser Herberge, sie sind wohl `ne halbe Stunde eher angekommen. Jenny, Julian und Alex sind scheinbar in der anderen Herberge im Ort. Dort gibt es Betten mit drei Etagen. Da wäre ich mit meinen Oberschenkelschmerzen nie hochgekommen.

Beim Essen hat einer der beiden Hospitaleroshat erzählt, vor ein paar Jahren sei er in der U-Bahn in Madrid gewesen, auf den die ETA einen Anschlag verübt hatte. Seitdem kann er Nachts nur noch mit Tabletten einschlafen.

08-07-2009: Heute ging’s um 6:30 Uhr los und bis Logroño auch wieder ganz gut. Dann, in Logroño wurde es von Minute zu Minute schlimmer. Ich glaube, um die Stadt zu durchqueren habe ich wegen der vielen Pausen mehr als eine Stunde gebraucht. Am Ende der Stadt ist dann die Blase an meiner linken Ferse, die in den letzten Tagen immer größer wurde und mittlerweile rekordverdächtige Ausmaße angenommen hatte, geplatzt. Von da an ging gar nichts mehr. Habe meine Ferse erst mit Wundspray etc. versorgt und mit Compeed abgeklebt. Ein paar Meter habe ich versucht mit Badelatschen weiterzulaufen, damit der Schuh nicht auf die Blase drückt. Das ging aber überhaupt nicht, also habe ich kurz vor einem großen See die Wanderschuhe wieder angezogen und bin in der ganzen Aufregung natürlich genau in die falsche Richtung um den See gegangen. Statt nach links zu gehen, hätte ich nach rechts müssen. Nach einer gefühlten Ewigkeit – mittlerweile hatte ich auch bemerkt, dass keine Pfeile mehr kamen und ich garantiert auf dem falschen Weg war – kam dann endlich ein Fahrradfahrer vorbei, der mich dann aufklärte, dass ich vor dem See hätte rechts abbiegen müssen. Da war dann meine Laune spätestens im Keller. An dem Nachmittag hätte ich jedem anderen Pilger nur wünschen können, mich nicht anzusprechen.

Zu allem Überfluss berichtete mein Pilgerführer von einem gewissen „Marcelino“, der sich in wenigen Kilometern irgendwo am Weg aufhielte und Pilgerstäbe und Früchte verschenken würde. So einer hat mir grade noch gefehlt. Der soll mich bloß nicht ansprechen. Vielleicht hat er es gespürt, auf jeden Fall war weit und breit kein Marcelino zu sehen.

So langsam und durch das Singen irgendwelcher Lieder wurde meine Laune dann auch wieder besser, obwohl der Weg nicht wirklich dazu beitrug. Das letzte Stück ging an der Autobahn und einer Landstraße entlang. An der Autobahn führte ein Begrenzungszaun entlang, in den Pilger Kreuze in den Zaun geflochten hatten.

Um 14:30 Uhr bin ich dann erst in Navarrete angekommen. Vor der Herberge (die erst um 15 Uhr öffnete) stand schon eine lange Rucksackschlange und ich bekam die ersten Zweifel, ob ich überhaupt noch einen Platz kriegen würde. Habe dann aber doch noch das vorletzte Bett bekommen.

In der Herberge habe ich mich dann erst mal aufs Bett gesetzt und meine Blase begutachtet. Das heißt, erst mal musste ich irgendwie das Blasenpflaster wieder abbekommen, was gar nicht so leicht war, da die Dinger dafür gedacht sind, mehrere Tage auf der Blase zu bleiben, bis sich darunter eine neue Haut gebildet hat. Aber das Ding musste ab, denn die geplatzte Blase muss ja irgendwie trocknen. Plötzlich stand eine Spanierin vor mir mit Nadel und Betadine (Desinfektionsmittel, dass unter spanischen Pilgern fast so ein Heiligtum, wie Compeed unter deutschen Pilgern ist), denn sie hatte nur gesehen, dass ich eine Blase am Fuß hatte und wollte diese aufstechen, damit die Flüssigkeit herauslaufen kann. Beim dritten Versuch ihr zu erklären, dass die Blase längst offen ist, ich aber das Blasenpflaster nicht abbekomme, hat sie mich dann auch endlich verstanden. Sie war dann so freundlich und hat mir ihr Desinfektionsmittel geliehen und mir ein Stück Verband überlassen. Ich hatte schon ernste Zweifel, ob ich den Weg so weitergehen könne und ob man sich das ganze vielleicht einem Arzt zeigen sollte. Die selbsternannte spanische Krankenschwester in meinem Schlafsaal wusste darauf auch keine wirkliche Antwort und hat erst mal dazu geraten, bis morgen zu warten und wenn es dann schlimmer würde, einen Arzt um Rat zu bitten. Also habe ich unter warmem Wasser versucht, das Blasenpflaster abzulösen, was dann auch geglückt ist, habe die Blase desinfiziert und verbunden, was dann zur Folge hatte, das ich totsicher von jedem Pilger drauf angesprochen wurde.

Nachdem ich mich dann ein bisschen ausgeruht hatte, ging es aber wieder einigermaßen. Habe heute Abend mit Phillipp in der direkt neben der Herberge gelegenen Bar ein Pilgermenü gegessen, Claudi hat sich eine Tiefkühlpizza und Alex sich Nudeln gemacht. Eigentlich wollten wir zusammen kochen, haben aber nicht wirklich was passendes gefunden. Außerdem war der Supermarkt im Ort nach deutschen Hygienemaßstäben eher ungenügend. Schon beim Betreten kam uns ein fischiger Geruch entgegen. Schokolade habe ich mir hier auch keine gekauft, denn die war schon ein halbes Jahr abgelaufen und in einem Karton mit Gebäck lagen tote Fliegen.

09-07-2009: Bin heute morgen alleine gestartet. Weiß nicht, ob Claudi und Alex schon auf dem Weg waren oder noch in den Federn lagen. Ich hatte mich schon auf einen sehr beschwerlichen Weg wegen der geplatzten Blase eingestellt, ging aber trotzdem einigermaßen. Andauernd hat mich irgendwer wildfremdes gefragt, wie es meinem Fuß geht. Gehumpelt habe ich eigentlich nicht. Waren die denn alle in der gleichen Herberge wie ich und haben gesehen, wie ich meinen Fuß verarztet habe? Oder die haben alle gesehen, dass ich gestern mit Verband um den Fuß durch den Ort gegangen bin. Vielleicht auch einfach nur, weil es die einzige Frage ist, die man jemandem auf dem Weg stellen kann, den man gar nicht kennt.

Auf dem Weg ging’s heute vorbei an einer Stelle, wo angeblich ein Held namens Roland gegen einen Riesen gekämpft hat. Dort habe ich auch die „Krankenschwester“ von gestern und ihre Freunde wiedergetroffen. Haben sich noch mal ausgiebig nach meiner Blase erkundigt.

Außerdem lag eine Fabrik am Weg, auf deren Mauer folgendes Gedicht geschrieben (in verschiedenen Sprachen):


Staub, Schlamm, Sonne und Regen.
Das ist der Weg nach Santiago.
Tausende von Pilgern gehen ihn
und das schon mehr als tausend Jahre.

Wer ruft Dich, Pilger?
Welch geheime Macht lockt Dich an?

Weder ist es der Sternenhimmel,
noch sind es die großen Kathedralen.


Weder die Tapferkeit Navarras,
noch der Rioja Wein.
Nicht die Meeresfrüchte Galiciens
und auch nicht die Felder Kastiliens.

Pilger, wer ruft Dich?
Welch geheime Macht lockt Dich an?

Weder sind es die Leute unterwegs.
Noch sind es die ländlichen Traditionen.


Weder Kultur und Geschichte,
noch der Hahn von Santo Domingo.
Nicht der Palast von Gaudi
und nicht das Schloss Ponferradas.

All dies sehe ich im Vorbeigehen
und dies zu sehen ist ein Genuss.

Doch die Stimme, die mich ruft,
fühle ich viel tiefer in mir.


Die Kraft, die mich vorantrieb,
die Macht, die mich anlockt,
auch ich kann sie mir nicht erklären.

Dies kann allein nur ER dort oben.

Um ca. 14:30 Uhr bin ich dann nach 24,4 Kilometern in Azofra angekommen. Jetzt sind es „nur“ noch 600 Kilometer. Ein Viertel des Weges ist also geschafft!

Die Herberge hier in Azofra (im Gegensatz zum restlichen Ort, der um diese Zeit ausgestorben scheint) ist ganz nett. Die Betten sind in Pressholz-Doppelzellen untergebracht.

Wo die anderen drei sind, weiß ich nicht. Julian, Jenny und die beiden Belgier haben wir gestern noch getroffen. Sie hatten sehr viel Spaß und wollten draußen übernachten. Phillipp sagte gestern, er wolle evtl. in Nájera bleiben. Blöd, dass ich von allen drei keine Handynummer habe. Muss geändert werden.

10-07-2009: Claudi, Alex und Phillipp sind gestern noch angekommen. Gestern Abend waren wir noch im Ortszentrum, wo etwas mehr los war, als am Nachmittag. Dort haben wir zusammen mit Michael aus Canada und Waltraud zu Abend gegessen.

Trotz meiner Doppelzelle hatte ich das Glück, dass die andere Person im Raum unheimlich laut geschnarcht hat. Dafür hatte mein spanischer Zimmermitbewohner nichts dagegen, dass ich um 6:00 Uhr aufgestanden bin und meinte sogar, ich könne ruhig das Licht schon anschalten.

Der Weg war heute in Ordnung. Es ging durch Santo Domingo de la Calzada, wo sich in der Kirche ein Hühnerkäfig mit weißen Hennen und einem Hahn befinden. Angeblich soll es Glück für den weiteren Pilgerweg bringen, wenn der Hahn kräht, während man sich in der Kirche befindet. Drinnen habe ich weder den Käfig gesehen noch den Hahn gehört, was aber auch daran lag, dass gerade eine Messe war und ich so nicht durch die ganze Kirche laufen konnte, mich nur hinten aufhalten konnte und die Kirche bald wieder verlassen habe.

Auf dem letzten Stück war mir der Weg dann zu hügelig und auch zu warm. Hier war mal wieder niemand, auch keine Pilger zu sehen. Gegen Ende der Etappe habe ich bei einer etwas schattigen Bank (der einzige Schatten auf den letzten 7 Kilometern) eine Pause gemacht und bin sofort eingeschlafen. Habe zur Zeit bei den Pausen ein Motivationsproblem und bleibe immer viel zu lange sitzen…

Ich bin dann erst um 15:15 Uhr in Grañon (nach 22 Kilometern) angekommen. Die Herberge liegt in einem Kirchturm und Treppensteigen tut im Moment besonders weh. 15 Minuten nach meiner Ankunft sind die anderen drei dann auch angekommen. Die müssen entweder ziemlich spät losgegangen sein oder auch so viele und lange Pausen gemacht haben.

Die Herberge ist – bis auf der vielen Treppen – ganz nett. Vor allem die Hospitaleros, eine Frau aus Holland und ein Mann aus den USA. Die beiden haben sich vor ein paar Jahren auf dem Weg kennen gelernt, wohnen jetzt zusammen in den USA und feiern jetzt als Hospitaleros, dass sie sich hier kennen gelernt haben. Die Herberge finanziert sich durch Spenden und ist ziemlich einfach gehalten. Übernachtet wird auf Matten auf dem Boden. Dafür gibt es aber Abendessen und Frühstück. Einziges Manko: Warmwasser ist kaputt und der Klempner kommt erst morgen. Das heißt, es gibt heute eine kalte Dusche.

11-07-2009: Die Herberge in Grañón war einfach super (bis auf dem kalten Wasser). Nach dem Abendessen gab’s noch einen Gedankenaustausch. War interessant um die Motivation und Gründe der andern Pilger mit den eigenen zu vergleichen.

Weil es in der Herberge mal wieder Frühstück gab, bin ich erst um 7 Uhr losgekommen. Obwohl die Herberge an sich gut war, habe ich nicht so gut geschlafen. Viele Schnarcher…

Der Weg war heute zwar in Ordnung, aber mein Knöchel schmerzte ziemlich, was aber mit genügend Pausen aushaltbar war. Das erste Stück bin ich mit Claudi und Alex gegangen (Phillip schläft wohl noch…), dann musste ich aber mein Tempo verlangsamen, konnte heute nicht so schnell.

Auf dem Weg habe ich in einer Touristeninformation auch endlich Briefmarken für meine Postkarten, die ich schon in Pamplona gekauft habe, gefunden.

Am Ortseingang von Belorado (ca. 5 Kilometer vor meinem Tagesziel) habe ich dann bestimmt 30 Minuten Pause gemacht. Zu meinem Motivationsproblem aufzustehen und weiterzugehen kamen die Hitze und mein schmerzender Knöchel hinzu.

Wieder auf dem Weg winkten mir dann nach ca. 100 Metern Claudi, Alex, Phillip und Sonja aus Berlin entgegen. Die vier machten wohl schon länger Pause, also habe ich mich zu ihnen gesetzt. Phil hatte sich wohl schon ein Hotelzimmer genommen, um endlich mal wieder ausschlafen zu können. Sonja hatte mit Belorado auch schon ihr Etappenziel erreicht. Die anderen beiden wollten eigentlich noch wie ich einen Ort weiter, durch nachlassende Motivation und heißer werdendem Wetter waren sie aber immer mehr geneigt, in Belorado zu bleiben. Ich war auch schon kurz davor mich überreden zu lassen, bin dann aber nach einer weiteren Dreiviertelstunde Pause doch noch weitergegangen, weil ich sonst morgen hätte mehr gehen müssen und mir nicht sicher war, ob das mein Knöchel durchhielte.

Die letzten 4,7 Kilometer waren die Hölle. Es war viel zu heiß zum gehen, auf dem ganzen Weg habe ich keine Menschenseele getroffen, die sind wohl alle schlauer gewesen und haben sich nicht so lange aufhalten lassen. Blöderweise hatte ich keinen Tropfen Wasser mehr.

Um 14:15 Uhr bin ich dann völlig kaputt und erschöpft in Tosantos angekommen. Die Herberge hier ist auch auf Spendenbasis, heute Abend wird zusammen gekocht. Bis jetzt sind außer Jerome aus Frankreich und zwei anderen Franzosen mit ihrem Esel (die aber nur Französisch sprechen) niemand hier, den ich kenne. Gleich gibt’s noch ne Führung zu einer Kapelle irgendwo in den Bergen. Habe eigentlich nicht wirklich Lust dazu und würde mich lieber hinlegen.

12-07-2009: Heute morgen gab es wieder Frühstück. Die Herberge selbst war zwar in Ordnung aber trotzdem war es nicht wirklich gut dort. Die beiden Hospitaleros sprachen bis auf Jerome nur Spanisch und Italienisch und alle anderen Anwesenden sprachen nur Spanisch, Italienisch oder Französisch. So kam ich mir ein bisschen einsam vor, weil ich mich zwar auf Spanisch verständigen konnte und auch das wichtigste verstand, aber eine ausführlichere Unterhaltung ohne dass entweder der andere sehr langsam sprechen musste oder ich mehrmals nachfragen musste, war nicht möglich. Beim Essen kochen gestern Abend kam ich mir auch etwas blöd vor, weil der Hospitalero auf Spanisch und ziemlich schnell erklärt hat, was gemacht werden soll, mir aber das passende Vokabular fehlte um was zu verstehen. Schließlich habe ich dann einfach den Tisch gedeckt und zwischendurch mal die Suppe umgerührt…

Auf dem Weg tat heute auf den ersten Kilometern zwar mein Knöchel noch etwas weh, dann ging es aber plötzlich erstaunlich gut.

Dann kam ein 12 Kilometer langes Stück, eine Brandschneise durch den Wald, die auch wegen der Hitze nicht enden wollte und mir wie 30 Kilometer vorkam. Trotz dem Wald links und rechts war kaum Schatten da und das ganze war wie in der Wüste. Hinterher war ich logischerweise ziemlich fertig.

Im nächsten Ort, San Juan de Ortega, gab es zwar nur ca. 10 Häuser aber eine riesige Herberge und Kirche. Dort habe ich eine Gruppe aus Deutschland getroffen, die nach meinem ersten Eindruck aber eher nach Mallorca gepasst hätte.

Nach einer halben Stunde Pause sind dann auch Claudi, Alex und die beiden Belgier eingetroffen. Etwas später ist dann auch Phillip angekommen, der natürlich sein Hotelzimmer ausgenutzt hat. Durch den kalten Brunnen im Ort und unserer Trinkflaschen haben Claudi und ich uns dann gegenseitig eine eher unabsichtliche Abkühlung verpasst.

Nach einer weiteren halben Stunde Pause bin ich dann nur noch 3,7 Kilometer bis Agés (geplant waren eigentlich 3 Kilometer mehr) gegangen, sodass ich trotz insgesamt nur 22 Kilometern erst um 16:15 Uhr angekommen bin. Dort bin ich in einer etwas besseren Herberge mit Vierbettzimmern, Abendessen und Frühstück eingekehrt, wo ich auch die Ernährungsberaterin Waltraud aus Österreich wiedergetroffen habe. Ein paar Minuten später, nach dem wöchentlichen Anruf von zu Hause ist dann auch Phillip angekommen. Er und Waltraud sind im gleichen Zimmer wie ich. Claudi und Alex sind – wie ich später erfahren habe – in der öffentlichen Herberge.

Hier im Ort habe ich auch jemanden aus Lindau am Bodensee getroffen, der dort auch gestartet ist und mittlerweile 2 Monate unterwegs ist.

Heute Abend haben wir alle in unserer Herberge gegessen und sind dann bald ins Bett. Bevor ich einschlafen konnte, musste ich Phillip und Waltraud mehrfach versichern morgen früh auf keinen Fall irgendwelche Geräusche zu machen (möchte morgen um 5 Uhr aufstehen und die beiden sahen schon ihren Schlaf in Gefahr und schmiedeten Pläne, wie sie mich daran hindern könnten). Nach einigen Morddrohungen von Waltrauds Seite, falls ich schnarchen sollte, bin ich dann auch endlich eingeschlafen.

13-07-2009: Heute morgen klingelte um 5 Uhr mein Handywecker, den ich – um die beiden wirklich nicht zu wecken – auf Vibrationsalarm gestellt und unters Kopfkissen gelegt hatte. Meine Sachen hatte ich gestern Abend gepackt, umgezogen habe ich mich im Bad (ein Bad für ein Vierbettzimmer, schon fast Luxus!). Vom Frühstück, für das ich schließlich bezahlt hatte, war noch nicht wirklich was zu sehen. Der Speisesaal war noch zu, die Küche aber geöffnet. Dort standen einige Tüten Milch, Muffins und Kekse. Also habe ich mich einfach mal bedient. Vor dem Haus habe ich noch 15 Minuten gewartet, denn Claudi wollte sich heute auch so früh auf den Weg machen, aber entweder war sie schon weg oder ist, nachdem sie wie gestern angekündigt mich angeklingelt hat, wieder eingeschlafen.

Um 5:45 Uhr bin ich also losgegangen. Da noch kein Sonnenstrahl zu sehen war, war ich auf meine Taschenlampe angewiesen. Ohne hätte ich schon nach 50 Metern passen müssen, denn die Pfeile sieht man ohne Licht nicht. Ausgerechnet heute verlief der Weg natürlich auf der Straße, war aber nicht allzu schlimm, denn um diese Zeit war kaum ein Auto unterwegs.

Ansonsten kam mir der Weg sehr kurz vor. Unterwegs habe ich Pierre und Nicolas getroffen, und auch Alex und Sonja. Alex meinte, Claudi habe sich tatsächlich schon gegen 5 Uhr auf den Weg gemacht.

Der letzte Teil des heutigen Weges war dann weniger schön, denn es ging durch die Vorstädte von Burgos. Um 12:30 Uhr schon bin ich dann bei der Herberge einiger Geschäftsleute aus Burgos angekommen. Eigentlich hatten wir gestern abgemacht, in einer anderen Herberge unterzukommen, aber entweder war ich zu blöd diese zu finden, oder das besagte „refugio“ lag wirklich so weit weg vom Zentrum. Also habe ich mich für diese Herberge entschieden, die mitten in der Stadt liegt. Da es hier nur 18 Betten gibt, haben mir andere, die schon vor der Herberge warteten, empfohlen, in die städtische Herberge zu gehen. Weil es aber noch relativ früh am Tag war und ich beim Zählen der Rucksäcke, die bereits in einer Schlange aufgereiht waren, nur auf 16 wartende Pilger kam, habe ich mich erst mal eingereiht und Phillip eine SMS mit Namen der Herberge und dem Hinweis sich zu beeilen, gesendet.

Gestern Nachmittag habe ich berechnet, dass ich für den ganzen Weg in meinem jetzigen Tempo ungefähr 35 Tage für den Weg brauchen werde und meine Eltern gebeten, einen Rückflug zu buchen. Am 10. August geht’s von Santiago zurück nach Hause. Ich habe also insgesamt 40 Tage für den Weg, Santiago und eventuell Finisterra, das sollte reichen.

Um 13:30 Uhr machte dann endlich die Herberge auf und im letzten Moment kam dann Phillip auch und wir haben die letzten beiden freien Plätze bekommen. Die anderen sind mal wieder verschollen, aber man trifft sich bestimmt noch.

Die Hospitalera hat sich als erstes bei jedem nach dem Gesundheitszustand erkundigt und gegebenenfalls Fußbäder, Bandagen etc. verabreicht. So ein Fußbad tat mal richtig gut.

Hier in der Herberge sind noch zwei andere Deutsche, Felix und Julian aus Berlin, Maria aus Dänemark und Michael aus Canada. Alle anderen sind höchstens vom Sehen bekannt.

Von der Hospitalera haben wir eben erfahren, dass es in der Nähe ein Restaurant gibt, dass All-you-can-eat-Buffets anbietet. Dort haben wir uns dann erst mal richtig satt gegessen. Gegen Abend haben wir uns dann bei der Kathedrale getroffen. Ich habe mich den ganzen Tag schon gewundert, dass Claudi zwar eher als ich gestartet war, aber bei meiner Ankunft noch nicht in Burgos war. Sie hat sich wohl in ein Café verzogen um ihre Notizen zu schreiben und ist dann sehr spät erst weiter gegangen.

Vor der Kathedrale war dann auch plötzlich Jerome wieder da. Er spielt ernsthaft mit dem Gedanken, den Camino abzubrechen, weil er ihn letztes Jahr schon gegangen ist und nun vergeblich das sucht, was er letztes Jahr gefunden hat.

Zusammen haben wir dann vor einer Bar noch einen sehr schönen Abend gehabt und wieder jemanden verabschieden müssen: Pierre und Nicolas fahren morgen nach Hause. Phil und ich haben uns dann pünktlich vom Acker gemacht, damit wir noch in die Herberge kommen bevor diese schließt. Die anderen wollten noch etwas länger bleiben und versuchen trotzdem in ihre Herberge zu kommen…

14-07-2009: Als wir gestern um 22 Uhr in die Herberge gekommen sind, lag schon alles in den Betten und das Licht war aus. Kurz nach dem wir in der Herberge waren, fing es an zu regnen. Heute morgen war davon aber nichts mehr zu sehen. Heute morgen um 5 Uhr war schon wieder alles auf den Beinen. Als Phil und ich um 6 Uhr beim Frühstück saßen, waren außer uns nur noch zwei andere Pilger in der Herberge. Die Hospitalera hat uns erzählt, sie habe keinen festen Wohnsitz und auch kein großes Eigentum. Sie reise von Ort zu Ort und finanziere sich zum Beispiel durch Jobs wie diesen, als Herbergsmutter. „Die Gespräche mit den anderen Menschen und der Kontakt sind das, wovon ich lebe.“ Sie schien glücklich zu sein…

Nachdem ich mich in der Stadt etwas verlaufen hatte und drei Leute nacheinander fragen musste, wie ich wieder zum Jakobsweg komme (die Pfeile in den Städten fallen kaum auf, weil so viel Werbung und andere Schilder drum herum sind), bin ich dann irgendwann wieder auf den richtigen Weg gekommen.

Die ersten Kilometer bin ich dann zum ersten Mal mit jemandem aus Spanien gegangen. Isabel spricht nur Spanisch, nach ein paar Minuten klappte es dann aber trotzdem gut, sich zu verständigen. Sie hat versucht etwas langsamer zu sprechen und hatte viel Geduld, wenn mir ein Wort nicht eingefallen ist. Isabel ist den Weg mit einer Freundin zusammen gestartet, die aber nun plötzlich weg musste und ist nun alleine. Sie mag es auch nicht, wenn der Weg durch die Stadt führt.

Beim ersten Ort auf dem Weg habe ich dann Waltraud wiedergetroffen, mit ihr in der Bar gefrühstückt und zusammen bis Hornillos del Camino (21,4 Kilometer) gegangen. Um 12:30 Uhr waren wir schon dort. Waltraud geht relativ schnell, aber nicht zu schnell. Wenn ich alleine gehe, ertappe ich mich oft dabei, dass ich immer langsamer werde.

Vor dem einzigen Geschäft im Ort haben wir uns dann erst mal auf eine Bank gesetzt. Wenig später sind die „Mallorca-Pilger“ aus Deutschland angekommen. Die Hälfte von ihnen macht einen richtigen Abenteuerurlaub, sie haben kaum Sachen mit und zu zweit 5 Euro pro Tag zur Verfügung. Deshalb waren sie darauf angewiesen, in Herbergen auf Spendenbasis zu übernachten. Heute wollten sie noch 20-30 Kilometer weiter.

Nachdem die Gruppe weg war, kam Waltraud gar nicht mehr aus der Verwunderung heraus.

Bald kamen dann auch Claudi, Alex, Maria aus Dänemark und etwas später auch Phil an. Maria ist dann irgendwann weitergegangen, Waltraud wollte eigentlich auch weiter, ist dann aber noch etwas sitzen geblieben und erst sehr spät noch 10 Kilometer weitergegangen.

Wir haben uns dann auf den Weg zur Herberge gemacht, die – nachdem wir zu lange vor dem Laden gewartet hatten – natürlich schon voll war. Dafür gab es aber noch eine riesige alte Turnhalle mit Klappbetten. War uns dann auch recht.

Nach einem kurzen Nickerchen habe ich dann geduscht, Wäsche gewaschen und Ori aus Israel getroffen. Er ist mit dem Fahrrad unterwegs.

Jetzt sitze ich in der Küche und schreibe mein Tagebuch. Hier sitzt auch Michael und tut das gleiche. Gerade kommt ein etwas älterer Amerikaner rein, den ich schon einige Male gesehen und gesprochen habe, weiß aber immer noch nicht, wie er heißt.

15-07-2009: Gestern Abend haben wir nach dem obligatorischen Pilgermenü noch etwas zusammen auf dem Platz vor der Kirche zusammen gesessen.

Heute habe ich meinen Handywecker zwar mal wieder auf 5 Uhr gestellt, bin aber dann doch erst um 5:30 Uhr aufgestanden.

Die ersten 11 Kilometer bin ich alleine gelaufen und habe festgestellt, dass ich meinen Gürtel in der Herberge vergessen haben muss. Habe Claudi angerufen und gebeten, mal nachzuschauen, aber scheinbar nicht auffindbar. Dann werde ich mir wohl irgendwo einen neuen kaufen müssen.

In Hontanas habe ich Michael getroffen, der in ein paar Tagen zurück nach Canada muss und beschlossen hat, nun noch nach Leon zu fahren. Nach einer kurzen Verabschiedung habe ich dann Karin aus Siegen wiedergetroffen, mit der ich in Pamplona zu Abend gegessen hatte. Sie hatte Probleme mit ihrem Photoapparat, der wohl alles zu dunkel aufgenommen hatte. War allerdings nur eine Einstellungssache, die schnell behoben war. Die letzten 9 Kilometer für heute sind wir dann auch zusammen gegangen, vorbei an der Ruine eines alten Pilgerklosters.

Um 12:15 Uhr sind wir in Castrojeriz angekommen und Karin, die auch Marathon läuft, war sich ziemlich sicher, dass der Pilgerführer nicht Recht hat und das heute keine 20,3 Kilometer waren. Mir kam der Weg allerdings auch ziemlich kurz vor, was aber wohl auch an Karins sehr zügigem Tempo lag.

Immer wenn ich irgendwo früh ankomme, macht die Herberge erst sehr spät auf. So auch hier. Wir hatten uns gestern Abend schon für die Herberge „Bei Resti“ entschieden, die laut Pilgerführer eine Kultherberge mit berühmtem Herbergsvater Resti, Wecken mit gregorianischem Choral, etc. sein sollte. Da die Herberge nicht eindeutig ausgeschildert war, musste ich eine Dorfbewohnerin fragen, die mich dann sofort sehr hilfsbereit zur Herberge brachte. Öffnungszeit war allerdings erst um 15 Uhr, sodass ich noch Zeit hatte um den Ort und die Kirche in bisschen zu besichtigen. Hier gibt’s scheinbar sogar eine Organistin, die schon die ganze Zeit übt.

Gegen 14 Uhr kamen dann auch die anderen Langschläfer. Ein Resti war in der Herberge nicht wirklich zu sehen. Auch die anderen Beschreibungen des Pilgerführers hielten nicht das, was sie versprachen.

Nach dem Abendessen haben wir uns vor die Kirche gesetzt und bei Alex etwas Verwirrung gestiftet. Claudi meinte, sie hätte Bettwanzen oder irgendwelche anderen kleinen Tiere. Auf englisch heißt das dann „I have some animals in my bed“. Was wir aber nicht wussten ist, dass im englischen „animals“ nur Tiere ab der Größe einer Maus o.ä. sind. Alles, was kleiner ist, wird „insects“ – Insekten – genannt. Für Alex hatte es sich also angehört, als ob Claudi Mäuse oder Katzen auf ihrer Haut und in ihrem Bett hatte. Wieder ein sehr lustiger Abend.

Ich habe allerdings festgestellt, nachdem ich die letzten beiden Tage immer fast den ganzen Weg mit jemandem zusammen gegangen bin, dass ich mal wieder – wenigstens auf dem Weg – etwas mehr alleine sein müsste…

16-07-2009: Die Herberge „Bei Resti“ enttäuscht immer mehr. Die groß angekündigte gregorianische Musik zum Aufwecken kam kaum hörbar weit entfernt aus einem Lautsprecher. Wäre ich nicht schon wach gewesen, hätte ich sie nicht gehört. Aber wenigstens ein Frühstück war angekündigt und scheinbar auch vorhanden. Als erstes wurde mir ungefragt ein winziger Becher mit Milchcafé in die Hand gedrückt, der vor allem aus Milch bestand und so noch einigermaßen akzeptabel war, denn sonst bin ich nicht wirklich ein Café- Fan. Der restliche Frühstücksbestandteil waren Kekse.

Gegen 7:30 Uhr bin ich losgegangen und habe nach 11 Kilometern in Itero de la Vega ein Baguette gekauft und – da Aufschnitt o.ä. wohl nicht im Geschäft zu bekommen waren und ein fertiges „Bocadillo“ mit Schinken auch nirgends auffindbar war, trocken gegessen. Schmeckt zwar nicht wirklich spannend, hilft aber gegen Hunger, denn mit ein paar Keksen und Milchcafé kommt man nicht wirklich weit.

Bin heute wie vorgenommen den Weg alleine gegangen. Er kam mir heute zwar wesentlich länger vor, als an den letzten Tagen, war aber gut, mal wieder alleine zu gehen.

Irgendwann ist dann Claudi aus dem Nichts aufgetaucht und ist wie ein ICE an mir vorbeigedüst. Habe mich umgedreht, aber es waren keine potenziellen Verfolger auf dem Weg, also schloss ich, dass sie wohl den gleichen Gedanken hatte und auch mal alleine sein will.

Heute hatte ich mal wieder ein Wasserproblem, denn in der Herberge gab es keine Möglichkeit, meine Wasserflaschen aufzufüllen und auf dem Weg kam auch kein Brunnen mit „agua potable“ – gechlortem Trinkwasser. Irgendwo kam dann bei einem Rastplatz eine Quelle aus der Wand, die aber nicht nach gechlortem Trinkwasser aussah. Ein Spanier, der den Rastplatz dazu nutze, wozu er angelegt war, beantwortete mir die Frage, ob es sich hier um „agua potable“ sei mit der Erklärung, das Wasser sei nicht „potable“, man könne es aber trinken. Nach einem vorsichtigem Schluck (das Wasser schmeckte zumindest nach Wasser und in den ersten 10 Sekunden wurde mir weder übel noch schwindelig), habe ich meine Trinkflasche damit gefüllt. Vorsichtshalber erst mal nur als Notnagel, falls keine „autorisierte“ Quelle mehr käme. Man kann ja nie wissen, was da alles so aus dem Berg kommt.

In Boadilla del Camino (von uns auch „Bocadillo“ del Camino genannt) habe ich Claudi dann eingeholt, was aber nicht an meinem fixen Tempo lag, sondern daran, dass sie immer noch gerne etwas ausgedehntere Pausen macht – wenn sie welche macht. Denn bis hierher ist sie 20 Kilometer ohne Pause durchgelaufen.

Allerdings stelle ich mittlerweile auch fest, dass ich nicht mehr alle 5 Kilometer eine Pause brauche, sondern auch locker 12-15 Kilometer in eins durchlaufen kann, ohne dass etwas weh tut oder ich nicht mehr kann.

Wie könnte es anders sein, waren Alex und Phil nach ein paar Minuten auch da. In Bocadillo haben wir dann zusammen noch einige Zeit Pause gemacht aber – wir kennen uns ja schließlich – sofort eine Uhrzeit festgelegt, wann wir weitergehen, denn sonst hätte sich das lange hinziehen können.

Die letzten 6 Kilometer bis Frómista sind wir dann doch noch zusammen gegangen. D.h. Alex haben wir irgendwann verloren, weil er auf dem Weg noch etwas filmen wollte.

In Frómista angekommen (ca. 14:30 Uhr) sind wir erst zur Herberge am Bahnhof, deren erster Eindruck jedoch nicht so überzeugend war. Von einer Deutschen, die zwangsläufig auf Grund von gesundheitlichen Problemen schon eine Nacht länger im Ort war, wurde uns allerdings stark von dieser Herberge abgeraten. Allerdings war diese Empfehlung nicht ganz eindeutig, denn kurz bevor wir wieder gehen wollten, meinte sie, eigentlich sei die Herberge wirklich in Ordnung. Schließlich haben wir uns getrennt: Claudi ist in der Bahnhofs- Herberge geblieben, wo auch später Alex abgestiegen ist, Phil und ich sind weitergegangen zur anderen Herberge, die sich bei der Kirche befinden sollte. Blöderweise hat der Ort mit ca. 1.000 Einwohner (!) mindestens zwei Kirchen und die erste, zu der wir gegangen sind, war natürlich die falsche.

Die Suche hatte sich allerdings gelohnt. Die private Herberge kostete zwar 7 Euro, was schon relativ teuer ist, war dafür aber ziemlich neu, mit vielen und guten Sanitäranlagen und guten Betten.

Im „Supermercado“ dann (als die „Siesta“ endlich zu Ende war) Obst, Schokolade, Baguette und etwas fettigen Schinken eingekauft um mir mein Bocadillo morgen selbst machen zu können.

Gegen 18 Uhr sind wir dann zum Abendessen in einem Restaurant. Es war das einzige, was schon um 18 Uhr öffnete, das scheint in Spanien keinesfalls die Regel zu sein. Dafür war es dann aber nicht so wirklich gut. Das Spiegelei war genauso wie das Fleisch scheinbar nur kurz in die Pfanne gelegt, umgedreht und serviert. Auf jeden Fall war zumindest ersteres noch relativ klar. Was uns ein bisschen verunsichert hat ist, dass alle zwei Minuten entweder der Kellner oder der Koch durch die Tür nach draußen schauten. Wir hatten schon den Verdacht, dass das Essen vielleicht nicht nur bei uns eher weniger gut ankommt und man jetzt gespannt drauf wartet, wie viel die Kundschaft davon runterbekommt.

Plötzlich kam dann Claudi ziemlich aufgewühlt vorbei, der ein Apotheker für ihren Hautausschlag, hinter dem sie Bettwanzen vermutete, Tabletten und ein Spray gegeben hatte, sie aber keine Ahnung hatte, ob sie das überhaupt nehmen dürfe, welche Wirkung es habe und wie es dosiert werden muss. Die Packungsbeilage ist schließlich auf Spanisch verfasst. Zu allem Überfluss hat wohl vor der Apotheke noch jemand zu ihr gesagt, mit diesem Ausschlag könne sie unmöglich bis Santiago laufen.

Nun war sie auf dem Weg ins Gesundheitszentrum um einen Arzt um Rat zu bitten. Aber wie das so ist in Spanien, ist es wahrscheinlicher im Lotto zu gewinnen, als irgendetwas geöffnet vorzufinden.

Auch die „Herbergentesterin“ vom Nachmittag haben wir hier wiedergetroffen. Den Grund für ihr vom Arzt verordnetes Pausieren habe ich nebenbei erfahren: Sie hat Probleme mit ihrem Fuß, weil sie an einem Tag 70 Kilometer (!) gegangen ist. Das war wohl zu viel.

Nach dem Abendessen war ich noch in der Messe. Die spanischen Messen sind allerdings nicht so wirklich schön. Meistens sind sie ohne oder höchstens ein ganz kleines bisschen Gesang. Hier in Frómista gab es jedoch sogar einen Organisten, der auch schon den ganzen Nachmittag übte. Ein paar Minuten vor der Messe hörte er jedoch auf und fuhr nach Hause.

Komische Sitten…

17-07-2009: Heute ging es nur knappe 20 Kilometer nach Carrión de los Condes. Der Weg führte heute fast ausschließlich an der Straße entlang auf einem Weg, der extra für Pilger angelegt ist. Der Weg selbst war also heute nicht so ermunternd. Seit einigen Tagen geht es oft vorbei an riesigen Sonnenblumenfeldern, so auch heute.

Da ich noch im Dunkeln gestartet bin, war ich schon gegen 11 Uhr im heutigen Zielort. Wahrscheinlich, weil nach diesem Ort auf den nächsten 18 Kilometern keine Übernachtungsmöglichkeit mehr kommt, war um 11 Uhr in Carrión die erste Herberge schon „completo“ – voll. Auch vor der nächsten Herberge war schon eine sehr lange Rucksackschlange, da die Herberge groß genug ist, habe ich meinen Rucksack in die Schlange eingereiht. Öffnungszeit der Herberge ist erst 12 Uhr.

Wartend, auf einer Bank im Ortszentrum und vor der Herberge habe ich festgestellt, dass sich an meiner rechten Verse nun auch eine Blase gebildet hatte, die ich kurzerhand – aus Angst vor einer weiteren Riesenblase – aufgestochen und mit „Betadine“ desinfiziert habe.

Um 12 Uhr machte dann auch die Herberge auf, die von ein paar sehr freundlichen Ordensschwestern geleitet wird, die ein Programm für die Pilger vorbereitet haben.

Da ich mich heute schon um 5:45 Uhr auf den Weg gemacht habe, habe ich in der Herberge als Erstes ein Nickerchen gemacht. Als ich aufwachte, stand plötzlich Alex neben dem Bett. Er und Phillip haben im zweiten Schlafsaal auch ein Bett gefunden.

Gegen 17 Uhr gab es dann eine „Willkommensrunde“ mit Vorstellung und bisherigen Erlebnissen und Eindrücken.

Für das Abendessen hatten die Schwestern sich ein „sharing dinner“ überlegt: Den ersten Gang haben sie gekocht, für den zweiten Gang sollte jeder etwas mitbringen. Wir haben zu dritt Spaghetti, Tomatensauce und Fleisch gekauft und Pasta gemacht. D.h. die anderen beiden haben gekocht und ich habe mich mit einer Theologiestudentin aus Linz unterhalten, mich dann aber natürlich bereiterklärt hinterher abwaschen zu helfen. Aus den langweiligen Pasta sind dann noch spezielle „Pasta con mosco“ geworden, denn zwei oder drei Fliegen haben sich in den Kochtopf verirrt („mosco“ heißt übersetzt Fliege). Die Insekten haben wir aber nur für den Geschmack benutzt und noch wieder rausfischen können.

Um das Abwaschen konnte ich mich dann auch herumdrücken, weil es eine Spülmaschine gab und so nur der Tisch abgewischt und die Küche aufgeräumt werden musste.

Bevor Nachtruhe angesagt war, gab es noch ein Gebet mit und einen Segen von den Schwestern.

18-07-2009: Um 6:30 Uhr gestartet. Laut Wanderführer sollten 18 Kilometer „Meseta pur“ kommen. Also nur plattes Land ohne Schatten. Aber so schlimm, wie angekündigt, fand ich es nicht. Vielleicht auch, weil es morgens einfach noch nicht so warm war. Das Stück wäre am Nachmittag wahrscheinlich viel schlimmer gewesen.

Nur zum Schluss war dann auch genug Meseta. Plötzlich tauchte – quasi wie aus dem Nichts ein Kirchturm auf – da die Kirche und das Dorf in einem Tal liegen, sah es aus, als ob nur der Kirchturm alleine in der Wüste steht.

Dort – in Calzadilla de la Cueza – habe ich dann Claudi wiedergetroffen. Sie war gestern auch in Carrión de los Condes, nur in einer anderen Herberge. Da sie schon etwas länger Pause machte, ist sie dann auch bald weiter.

Ich bin dann noch 6 Kilometer weiter bis Ledigos gegangen, da aber die Herberge und der Ort selbst nicht so wirklich ansprechend war und Claudi auch noch einen Ort weiter wollte, bin ich dann auch noch 3,5 Kilometer weiter bis Terradillos de los Templarios (28,1 k,).

Bin heute nicht so erschöpft, wie sonst. Wenn es nicht wieder so warm wäre, könnte ich noch viel weiter.

In Terradillos saßen dann vor der Herberge auch schon Claudi und Martin aus Bremen. (13:45 Uhr)

Heute ist Phillips vorletzter Tag. Heute morgen sagte er, er wolle nur bis Calzadilla de la Cueza. Wir waren schon traurig, ihn nicht mehr zu sehen, doch einige Zeit später kamen auch Phillip und Alex um die Ecke. Und dann wollte es der Zufall auch noch so, dass Phillip, Alex und ich zusammen ein Vierbettzimmer mit Bad bekommen haben. Da das vierte Bett leer blieb, ist Claudi dann kurzerhand noch in unser Zimmer umgezogen.

Hier in der Herberge gibt es auch die Möglichkeit, seine Wäsche für 4 Euro waschen zu lassen. Die Möglichkeit haben wir dann zusammen genutzt, damit die Sachen mal wieder wenigstens etwas sauberer werden. Denn mit der Hand wird die Wäsche nicht so richtig sauber.

Nach dem Abendessen haben wir dann noch zusammen vor der Herberge gesessen und viel Spaß gehabt. Nach 22 Uhr, als die Herberge schloss, haben wir im Zimmer noch lange wach gelegen und erzählt.

Habe eigentlich geplant, morgen wieder früh aufzustehen, bezweifle aber mittlerweile, dass das was wird…

19-07-2009: Ich habe meinen Wecker zwar auf 6 Uhr gestellt und bin dann auch wach geworden, habe mich dann aber doch wieder hingelegt und weitergeschlafen. Um 8:00 Uhr sind wir dann aufgestanden, nachdem die Putzfrau schon dreimal reingekommen ist (bei den ersten beiden Malen hat sie noch freundlich „Buenas Dias“ gesagt, beim dritten Mal dann schon etwas bestimmter „¡vamos!“. Da es Sonntag war, wollte sie wohl auch schnell ihre Arbeit fertig kriegen).

Wir haben dann in der Herberge noch in aller Ruhe gefrühstückt und sind zusammen gegen 9 Uhr gestartet. Nach ein paar Kilometern haben wir dann noch eine zweite Frühstückspause gemacht und sind dann weiter bis Sahagún von wo aus Phillip morgen zurück nach Deutschland abreist. Vor einer Bar haben wir uns dann noch zusammen hingesetzt, mussten aber in den gegenüberliegenden Park umziehen, weil der Barbesitzer nicht damit einverstanden war, dass wir seine Stühle benutzen, aber bei ihm nichts bestellen, sondern unsere eigenen Sachen verzehren…

Dort haben wir noch einige Zeit gesessen. Alex hat beschlossen, in Sahagún mit Phil zu bleiben und uns in den nächsten Tagen wieder einzuholen. Claudi und ich wollten noch mal 12 Kilometer weiter gehen, die anderen beiden haben hartnäckig versucht uns zu überreden, auch in Sahagún zu bleiben.

Gegen 14 Uhr haben wir uns dann aber doch verabschiedet mit dem festen Vorsatz uns bald wiederzusehen. Phil kommt zwar aus Österreich, studiert aber in Giessen Musik, sodass das keine allzu große Entfernung ist.

Obwohl wir uns erst 19 Tage kannten, kam es viel länger vor; so als ob wir uns schon mehrere Jahre kannten und der Abschied fiel schwer.

Die nächsten 12 Kilometer waren dann – wie Karin gesagt hätte – echt „HÖLLE“. Sowohl wegen der Hitze, als auch wegen dem sehr sandigen Weg, der neben der Straße verlief. Hinzu kam noch, dass uns gegen Ende der Etappe das Wasser knapp wurde.

Claudi und ich haben die ganze Zeit irgendwelche Lieder gesungen. Nach gut zwei Stunden sind wir in Bercianos del Real Camino (24 km) angekommen und haben uns zu aller erst am Brunnen erfrischt.

Endlich an der einzigen Herberge angekommen, sagt der Herbergsvater zu uns, es sei kein Bett mehr frei. Nach einer halben Ewigkeit, in der wir beinahe vor Ratlosigkeit in Ohnmacht gefallen wären, hat er noch nachgeschoben, es gäbe aber noch einige Matratzen auf dem Boden. Besser als nichts!

Martin aus Bremen ist auch hier. Außerdem Phillip und Franzi aus Thüringen, ein dauerbesoffener Rumäne und noch einige andere Bekloppte.

Gegen Abend haben die Hospitaleros für uns Pilger gekocht. Hinterher gab es noch eine „fiesta“ mit Queimada, einem sehr starkem, alkoholischem Getränk das mit Zucker, Cafébohnen, Kräutern und Zitronen flambiert wird. Das reinste Saufgelage hier. Weil ich ziemlich müde war und sowohl auf das Besäufnis als auch auf einige Leute da draußen keine Lust hatte, habe ich mich bald hingelegt.

20-07-2009: Heute um 5:30 Uhr aufgestanden und in der Herberge gefrühstückt. Bis nach „El Burgo Ranero” (7,8 km) mit Claudi zusammengegangen, dann alleine weiter. Obwohl es noch früh am Morgen war, war es schon wieder viel zu warm. Der Camino verlief heute wieder schnurgeradeaus auf einem Schotterweg neben der Straße.

Da der Weg heute wirklich hart war, war ich froh, als ich in Reliegos angekommen bin. Dort saßen Claudi, Phillip und Franzi und der Bulgare schon vor der Bar und ich habe mich vollkommen erschöpft und fast verdurstet dazugesetzt. Letztere wollten eigentlich nur bis Reliegos gehen, haben sich dann aber dazu entschlossen noch einen Ort weiter zu gehen, wie wir auch. Das heißt wohl heute Abend wieder nur Besoffene. Vielleicht schaffe ich es ja morgen weiter als León zu gehen, um sie abzuhängen.

Nach weiteren ca. 7 Kilometern war ich dann auch endlich in Mansilla de las Mulas, dem geplanten Etappenziel (14:00 Uhr, 27,4 Kilometer). Die anderen vier waren schon vorausgegangen. Durch die Stadt ging es nun laut unübersehbaren Pfeilen geradeaus. Die Herberge sollte laut Pilgerführer am Ortsende sein. Dort angekommen war allerdings weit und breit keine Herberge zu sehen. Also noch etwas weiter. Als schließlich, einen Kilometer nach dem Ortszentrum, kein Haus mehr zu sehen war, musste ich davon ausgehen, dass ich das refugio übersehen hatte.

Wütend auf den blöden Weg und die Spanier (die saßen natürlich wieder in irgendeiner Bar, machten siesta und keiner von ihnen ließ sich irgendwo am Weg blicken, den man nach dem Weg hätte fragen können) bin ich dann ohne viel nachzudenken im Rekordtempo weitergelaufen. Kurz vorm nächsten Ort hielt dann ein Spanier mit dem Auto an, der mit mitteilte, dass ich mich nicht auf dem Jakobsweg befände. Ich hätte In Mansilla nach rechts gehen müssen. Als ich einwand, dass doch überall hier Pfeile seien, meinte er nur, da hätte sich wohl jemand einen Scherz erlaubt. Schließlich hat er mir angeboten, mich nach Mansilla de las Mulas zurückzubringen (dachte ich zumindest). Er fuhr allerdings durch Mansilla durch und ließ mich ca. einen Kilometer hinter dem Ort raus, diesmal auf dem richtigen Weg nach Puente de Villarente. Also noch mal mühsame 6 Kilometer bis ich dann endlich um 16:30 Uhr in Villarente war. Laut Pilgerführer waren es heute ohne dem Umweg 33,7 Kilometer. Mit diesem waren es bestimmt 37 Kilometer.

Völlig fertig habe ich dann die Herberge „El Delfin Verde“ – „Der grüne Delphin“ – erreicht. Die Tür war verschlossen und ich wollte schon etwas verzweifelt zur zweiten Herberge im Ort gehen, da kam eine etwas ältere Frau aus dem benachbarten Restaurant und schloss auf. Außer mir war bis jetzt noch keiner in der Herberge. So wie es aussah, hatte ich ein Vierbettzimmer und Zwei Badezimmer für mich ganz alleine. Nach der Dusche (herrlich!) habe ich mich ein Stündchen aufs Ohr gelegt. Als ich wach wurde, kamen noch zwei Radpilger, die im Nachbarraum übernachten.

Claudi hat dann auch bald angerufen, wo ich denn sei und warum, da ich ihr eine SMS geschrieben hatte „bin in Villarente – lange Geschichte“.

Komme mir hier ein bisschen vor, wie im falschen Film. Scheinbar gibt’s im Ortszentrum auch nirgendwo Abendessen, wenigstens nicht vor 21 Uhr. Ich habe in jedem Restaurant und jeder Bar nachgefragt, aber entweder gibt es gar nichts oder erst spät. Also zurück zum Ortsrand, wo meine Herberge und das Restaurant mit Pension lag, in dem es zwar auch ein Pilgermenü gibt, von dem mein Pilgerführer jedoch ausdrücklich abrät.

Vorher habe ich es allerdings noch bei der zweiten Herberge im Ort versucht. Dort waren dann auch Felix und Julian, die ich schon aus Burgos kannte, die österreichische Theologiestudentin und Ria sowie ihre Tochter Joke (sprich: Joka) aus Belgien. Die Berliner müssen morgen abreisen und es wurde Abschied gefeiert. Deswegen haben die beiden Belgierinnen Pasta gekocht, allerdings viel zu viel, weswegen sie mich dann netterweise eingeladen haben. Das kam gerade richtig. Die fünf waren meine Rettung. Unerwartet hat der Tag dann wenigstens noch ein schönes Ende genommen.

21-07-2009: Heute bin ich mal wieder um 5 Uhr auf und um 5:30 Uhr los. Als ich gestern Abend aus der anderen Herberge zurückgekommen bin, war noch ein italienischer Radpilger bei mir im Zimmer. Er hatte aber kein Problem damit, so früh aufzustehen und bat mich, ihn dann zu wecken.

Nach ein paar Kilometern habe ich die Reste meines trockenen, drei Tage alten Baguettes aufgegessen und bin dann um 9 Uhr in León angekommen. Da es dort laut Pilgerführer sehr voll werden würde und ich auch keine große Lust auf „Stadt“ hatte, hatte ich mir vorgenommen früh loszugehen, León zu besichtigen und dann einen Ort weiterzugehen, wo wahrscheinlich dann nicht so viel los sein wird.

Der Weg nach León war im Vergleich zum Weg nach Burgos, welcher scheinbar unendlich durch Vorstädte führte, weniger schlimm. Man war ziemlich bald im Zentrum.

Die prachtvolle Kathedrale habe ich mir etwas genauer, auch von innen angesehen, den Rest nur von außen. In einem Park dann noch eine Pause und dann ging’s weiter bis „Virgen del Camino“ (21 Kilometer). Dort bin ich um 13 Uhr angekommen. Die Herberge lag etwas versteckt in einem ziemlich unscheinbaren Gebäude, sodass ich erst daran vorbeigelaufen bin. Bei meiner Ankunft waren kaum Betten belegt und auch jetzt (17 Uhr) ist noch viel Platz frei.

Ich habe gerade festgestellt, dass nicht nur mein Gürtel futsch ist, sondern auch eine meiner drei Unterhosen. Weil die Wäscheleinen immer ziemlich voll sind, muss man überall was dazwischen hängen, da kann man dann beim Abnehmen schnell mal ein Teil vergessen. Und eine meiner beiden Hosen ist vor zwei Tagen gerissen. Die Badehose lässt sich bei den Temperaturen hier auch gut als Ersatz verwenden. Werde jetzt wohl etwas häufiger waschen müssen und in der nächsten Stadt dringend was neues kaufen…

Gleich werde ich aber erst mal Lebensmittel kaufen und mich ums Abendessen kümmern.

Bis jetzt habe ich hier noch kein bekanntes Gesicht gesehen. Sind bestimmt alle in León.

22-07-2009: War gestern Abend noch zur Messe in einer ziemlich modernen Wallfahrtskirche in Virgen del Camino. Vor der Messe lief irgendein komischer Singsang durch die Lautsprecher.

In der Bar habe ich beim Abendessen überraschend Karin wiedergetroffen, die völlig fertig war und sich eigentlich gar nicht unterhalten wollte. Dann hat sie mir aber doch erzählt, sie sei in León bei Freunden gewesen, die etwas außerhalb wohnten. Dann wollte sie zurück ins Stadtzentrum, aber der Busfahrer wollte sie nicht mitnehmen. Dann habe es noch Probleme mit der Unterkunft in León gegeben und deswegen habe sie sich doch noch auf den Weg nach Virgen del Camino gemacht und ist nun total kaputt. Am Ende waren wir beide eigentlich ganz froh, den Abend nicht alleine verbringen zu müssen.

Heute morgen bin ich um 6:30 Uhr gestartet, nachdem ich in der Küche erst in Ruhe mein Boccadillo gefrühstückt und mir ein weiteres für den Weg fertig gemacht habe.

Für den heutigen Weg kannte mein Pilgerführer zwei Alternativen, als erstes den Hauptweg neben der Hauptstraße und als zweites einen Weg durch die Natur, der aber 4 Kilometer länger ist. Hatte mich gestern Abend für den kürzeren Hauptweg entschieden, heute morgen bin ich aber doch auf den Nebenweg abgebogen, denn Straße, Lärm und Autos hatte ich die letzten Tage genug.

Dafür war der Weg heute auch wunderschön, zwar ein bisschen bergig, dafür aber wunderschöne Berge, Täler und Natur – und fast die ganze Zeit alleine ohne irgendwelche anderen Pilger. Eine der schönsten Etappen bis jetzt. Nur das Wetter war weniger schön und eher bedeckt, dafür waren die Temperaturen sehr angenehm.

Kurz vor einem Ort hörte ich dann von irgendwo Schüsse. Natürlich war mal wieder weit und breit niemand zu sehen und auch der Ort war wie ausgestorben. Vorsichtshalber habe ich mein Tempo etwas angezogen. Man weiß ja nie.

Im letzten Ort, 5 Kilometer vor dem Etappenziel wollte ich eigentlich noch eine Pause einlegen, was ich mich dann aber nicht getraut habe, weil es so aussah, als würde es jeden Moment anfangen zu regnen.

Kurz nachdem ich dann über eine eindrucksvolle alte Römerbrücke nach „Hospital de Órbigo“ und in die Pfarrherberge „Karl Leisner“ rein bin (29,1 km, ca. 14 Uhr) , fing es auch schon an zu regnen. Gut dass ich keine Pause gemacht habe…

Karin ist auch hier in der Herberge, sie ist den Weg an der Straße entlang gegangen, aber trotzdem später als ich angekommen. Der Weg sei ganz schlimm gewesen. Gut dass ich mich doch für den Natur-Weg entschieden habe.

23-07-2009: Im Ort gestern gab es ein super Restaurant mit richtig guten und günstigen Pilgermenüs. Habe mir gestern auch in der Herberge einen neuen Pilgerausweis gekauft, der erste ist bald voll!

Heute morgen ging’s um 6:45 Uhr los, vorher gefrühstückt. Der Weg verlief anfangs mal wieder neben der Straße bis zu einem großen Wegkreuz auf dem Berg. Dort habe ich die erste Pause gemacht. Von hier konnte man auch schon Astorga sehen.

Die Pilger auf dem Weg werden zwar langsam wieder mehr, aber nicht so viele, wie erwartet. Alle sagten vorher, nach León würde es sehr voll auf dem Weg, weil viele entweder dort erst beginnen oder die Strecke von Burgos bis León auslassen, um sich die Meseta zu ersparen. Direkt nach León wurden die anderen Pilger aber überraschenderweise erst mal weniger.

Nach meiner Pause ging es dann runter nach Astorga. Die Stadt scheint relativ klein zu sein. Wirklich sehenswert war der Bischofspalast in Astorga, der von Antonio Gaudí geschaffen wurde. Die Kathedrale sollte zwar laut Pilgerführer auch sehenswert sein, aber war natürlich zu. Man könne durch das Museum, wo man allerdings Eintritt zahlen müsse in die Kathedrale gelangen. Habe ich mir dann gespart und bin weitergegangen. Langsam wurde es wieder bergiger.

Ich bin dann noch 8,1 Kilometer bis Santa Catalina de Somoza gegangen (26,9 Kilometer, 13:45 Uhr). In diesem Ort gibt es nicht einmal ein Geschäft. Werde mir also wohl morgen früh irgendwo was zum frühstücken kaufen. Dafür hatte der Ort aber drei Bars, zwei private Herbergen und laut Pilgerführer auch noch eine Gemeindeherberge, die aber mittlerweile geschlossen war. Es wundert mich sowieso, dass sich hier zwei Herbergen lohnen (welche allerdings beide zu einem Gasthaus gehörten, die auch „normale“ Zimmer anboten). Am Ortseingang lief ein älterer Herr herum, der damit beschäftigt war, so auszusehen, als würde er was machen. Scheinbar wartete er aber auf Pilger und zeigte sofort eine Visitenkarte einer der privaten Herbergen im Ort, welche er mir sofort intensivst empfahl und sagte, das wäre auf jeden Fall die bessere der beiden Herbergen. Habe mich dann aber – da das bestimmt kein unabhängiges Urteil war – trotzdem für die andere Herberge entschieden, die dann auch ganz in Ordnung war. Kurz nach mir sind auch noch eine Deutsche und eine Amerikanerin namens Alex angekommen und gegen Abend ein paar Spanier.

Heute Abend habe ich mit Alex in der Bar gegessen. Der Wirt hat eine Suppe als Vorspeise angeboten. Auf Nachfrage meinte er, es sei keine Fischsuppe. Fisch war dann auch nicht drin, aber Muscheln und andere Meeresfrüchte. Als Hauptgang gab es dann zum ersten Mal auf dem Weg ein richtiges Schnitzel. Von der Größe her, reichte es fast an ein Wiener Schnitzel heran. Es war zwar in Ordnung, aber so richtig gut schmeckte es nicht…

24-07-2009: Heute morgen ging es um 6 Uhr für mich los. Da es eiskalt war, habe ich das erste Mal meine Joggingjacke benutzt. Sonst bin ich morgens immer mit kurzer Hose und T-Shirt gestartet. Das war zwar morgens immer erst noch kalt, aber auszuhalten, denn die Jacke anziehen und nach einer Stunde wieder auszuziehen und dann trocknen lassen war mir bisher zu umständlich und wenn ich mich bewegte, war es gar nicht so kalt. Aber heute ging es nicht anders.

Da es wie gesagt im Ort kein Geschäft gibt und Frühstück erst ab 8 Uhr angeboten wurde, habe ich darauf gehofft, dass im nächsten, 4,4 Kilometer entfernten Ort ein Frühstück möglich sei. Dort angekommen war es mittlerweile 7 Uhr, aber der Ort schien noch kleiner zu sein und die einzige sichtbare Bar hatte noch zu. In der Herberge im Ort, die von einem 19-jährigen „Pilgerfreak“ (Zitat Pilgerführer) geleitet wird, war zwar Licht und die Tür war offen, aber sonst war niemand zu sehen. Da der Stempel auf dem Tisch lag, habe ich mir einfach mal meinen Pilgerpass hier selbst abgestempelt und bin mit Magenknurren weitergegangen.

Auf dem weiteren Weg habe ich Antonio aus Malaga getroffen. Er hatte zwar mal ein bisschen Deutsch gelernt, weil aber bis auf ein paar wenigen Worten nichts mehr. Mittlerweile klappt es mit dem Spanischen auch einigermaßen, es dauert nur manchmal ewig, bis ich das passende Wort gefunden habe. Zusammen sind wir bis Rabanal del Camino gegangen. Er ist sofort weiter, ich habe in der Bar endlich meinen O-Saft und mein Schinken-Boccadillo bekommen.

So langsam ging es wieder etwas steiler hinauf auf den Berg. Die Steigung war aber für mich nicht so schlimm, wie am Anfang des Weges und die Landschaft war wunderschön. Das Wetter ist zwar immer noch frisch wegen dem Wind, aber angenehm.

In Foncebadon, ein paar Kilometer vor dem Gipfel, habe ich dann noch eine Cola-Pause gemacht, die Jogging-Jacke (die mittlerweile natürlich total durchgeschwitzt war) ausgezogen und an den Rucksack zum trocknen gehängt und mich wieder auf den Weg gemacht bis zum pass mit dem „Cruz de Ferro“ – einem eisernen Kreuz auf dem Gipfel, wo jeder Pilger einen mitgebrachten Stein „ablädt“.

Weiter ging es dann an einer ulkigen Herberge vorbei, die von ein paar Hippies geleitet wird, die den Weg gegangen sind aber hier ausgestiegen sind und diese Herberge errichtet haben. Davor sind Wegweiser in die ganze Welt angebracht.

Dann ging es den Berg wieder runter, auf der Hälfte – in El Acebo 28,3 km, 14 Uhr), meinem Etappenziel – war es dann aber erst mal genug. Zum Schluss habe ich mich etwas beeilt, weil es sehr nach Regen aussah, es kamen aber nur ein paar Tropfen.

Die Herberge machte dann erst um 15:15 Uhr auf, sodass ich noch etwas warten musste und mir im Tante-Emma-Laden im Ort ein weiteres Boccadillo und etwas Obst gekauft habe.

Die Herberge hier ist auf Spendenbasis mit Frühstück und gemeinsamem Abendessen. Die Herberge wird zur Zeit von einer Spanierin geleitet, die sehr gut Deutsch spricht, weil sie von den Kanaren kommt, wo es – wie sie sagte – fast wichtiger ist, Deutsch zu können als Englisch. Außerdem war ihre Mutter dabei, die ebenfalls gut Deutsch spricht.

Abends beim Essen habe ich noch eine sehr nette Familie aus Österreich kennen gelernt.

Zum Abendessen gab es Pasta, Kartoffelbrei, Salat und zum Nachtisch Wackelpudding. Hinterher wieder eine Runde, wo Erfahrungen zum Weg ausgetauscht werden konnten. Ist immer wieder interessant auch Motivationen und Erfahrungen anderer Pilger zu hören.

Vor dem Schlafengehen haben wir uns alle zusammen den Sonnenuntergang angesehen.

25-07-2009: Bin um 6 Uhr aufgestanden und erst um 7 Uhr, nach dem Frühstück gestartet. Die ersten Kilometer gingen und auch die Landschaft war wieder sehr schön, es ging jedoch teilweise sehr steil und steinig bergab.

Um 11:30 Uhr war ich schon in Ponferrada bei der Herberge, die allerdings erst um 14 Uhr öffnete. Die eher unfreundliche Putzfrau hat mich dann darauf hingewiesen, dass ich die Duschen etc. aber schon benutzen könne. Bin heute nur 15,7 Kilometer gegangen um Claudi und Alex wiederzusehen, die noch etwas zurückliegen. Obwohl Ponferrada 61.600 Einwohner hat, hat die Stadt nur eine Herberge, die aber scheinbar groß genug ist und so gut wie nie komplett ausgelastet ist.

Phillip, Franzi und der Bulgare sind auch hier.

Mittlerweile werde ich zwar nicht mehr von der Italienerin verfolgt, dafür taucht in letzter Zeit immer wieder ein Spanier in der gleichen Herberge, wie ich auf, der mich einmal nach meinem Namen gefragt hat (den er falsch betont: Petérrr), und mich nun immer anspricht, wenn er mich sieht.

Claudi hat um 11:30 Uhr gesimst, dass die beiden noch ca. 17 Kilometer von Ponferrada entfernt waren und hofften, sie würden es noch schaffen.

Die Herberge hat mittlerweile geöffnet und ich habe ein Bett in einem etwas kleineren Zimmer. Werde jetzt erst mal in die Stadt gehen und schauen, ob etwas geöffnet hat. Ich brauche schließlich noch `nen Gürtel und eine neue Unterhose.

Es hatte natürlich nichts geöffnet, da es erstens noch zu früh war (auch in der Stadt hält man sich hier an die Siesta und es wird erst ab 17 Uhr wieder geöffnet) und zweitens Samstag ist, das heißt, es öffnete gegen Abend auch nichts mehr.

Claudia und Alex sind dann am späten Nachmittag auch angekommen (ich war gerade eingeschlafen, da stand dann plötzlich Alex neben dem Bett. Er taucht öfter fast wie aus dem Nichts auf). Es war sehr schön, die beiden wieder zu sehen. In den letzten Tagen haben sie noch Maude (aus Frankreich) und Giuseppe (Italien) kennen gelernt. Die beiden studieren Management in Frankreich.

Wir haben uns dann noch Pasta aus der Tüte gekocht und einen sehr lustigen Abend gehabt. Irgendwo lagen Klebetattoos herum, die genau für uns fünf reichten und wir dann kurzerhand auf Stirn, Brust, Finger und Hals geklebt haben. – Wie gesagt: viel Spaß!

26-07-2009: Erst um 7 Uhr losgegangen und dem Rat des Hospitaleros gefolgt, es gäbe einen viel kürzeren Weg raus aus der Stadt. Der Rat war eher weniger sinnvoll. Ein paar Polizisten, die wir getroffen haben, waren sehr hilfsbereit und haben uns eine andere Wegbeschreibung genannt, der wir erst mal gefolgt sind, die dann aber auch falsch schien. Ein Nachfragen in einer Tankstelle hat dann ergeben, dass wir in eine ganz andere Richtung müssen. Dann haben wir aber auch auf den richtigen Weg zurückgefunden.

Ein Stück bin ich mit zwei, ich glaube Schweden gegangen. Die beiden wollten wissen, wie es in Deutschland jetzt eigentlich mit Opel stehe. Gute Frage, ich konnte ihnen auch keine wirkliche Antwort geben, zumal ich die letzten 26 Tage kaum Nachrichten gehört oder gelesen habe. Höchstens Mal die Titelseite einer spanischen Zeitung.

Heute wurde es wieder sehr schnell sehr warm, sodass das letzte Stück echt hast war. Es hatte wieder was von einer Wüste.

Um 13:45 Uhr bin ich dann angekommen in Villafranca del Bierzo (24,8 Kilometer), dem „kleinen Compostela“. Hier konnten früher Pilger, die gesundheitlich nicht mehr in der Lage waren, weiter zu gehen trotzdem den Ablass erlangen.

Auch die anderen sind dann bald eingetrudelt.

Niedergelassen haben wir uns in der Traditionsherberge „Ave Fenix“, einer etwas rustikaleren Herberge mit Abendessen aus eigenem Anbau.

Ich habe mich dann bald auf den Weg ins Ortszentrum gemacht (was wegen der Hitze und der Tatsache, dass der Ort sehr hügelig ist und es erst runter und dann wieder rauf ging) einigermaßen anstrengend war. Dort habe ich mir noch ein paar Kirchen angeschaut, weil das das einzige war, was hier sehenswert ist (trotz nur 4.100 Einwohnern hat der Ort 4 Kirchen!).

Das Abendessen, was ausschließlich aus Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten bestand, war super, wobei das nicht jeder so empfunden hat…

Hinterher haben wir draußen noch ein bisschen zusammengesessen.

27-07-2009: Um ca. 6:45 Uhr in Villafranca gestartet. Die heutige Etappe verläuft zu großen Teilen neben der  Nationalstraße entlang, dem Stück das HaPe Kerkeling als so schrecklich beschrieben hat, weil durch den Verkehr eine sehr große Gefahr bestand. Diese bestand zwar nicht mehr, weil die Straße durch eine hüfthohe Betonmauer vom Pilgerweg getrennt war, trotzdem war der Weg durch die vielen Autos nicht so wirklich schön. Hinzu kam, dass mein linker Fußballen plötzlich anfing, weh zu tun. Deshalb habe ich alle 5 Kilometer eine Pause machen müssen.

Trotzdem bin ich um 14 Uhr dann in La Faba (ca. 26 Kilometer) angekommen. Vom heutigen Weg war ich etwas enttäuscht. Es ging wieder in die Berge, die letzte Bergetappe war jedoch viel schöner und so habe ich mir diese auch vorgestellt. Nur die letzten 4 Kilometer, die zwar relativ steil durch den Wald gingen, waren wunderschön. Obwohl das wohl der anstrengendste Teil des Tages war, war es der beste, sogar meine Fußschmerzen waren scheinbar weg.

In La Faba bin ich in einer schwäbischen Herberge untergekommen mit sehr netten und hilfsbereiten deutschen Hospitaleros. Hier sind fast nur deutsche Pilger. Ausgebucht ist die Herberge allerdings nicht, weil wohl sehr viele Pilger in O Cebreiro, an der Spitze des Berges übernachten wollen, was nur 5 Kilometer weiter ist.

Jetzt ist es 16:30 Uhr und die anderen sind immer noch nicht da. Vielleicht sind sie auch weiter bis O Cebreiro. Unten wurde ein Rucksacktransport bis dorthin angeboten.

Heute Abend gab es noch eine sehr schöne Andacht mit einem Franziskaner für den Weltfrieden.

Abendessen gab es bei mir schon am späten Nachmittag. In der einzigen Bar im Ort habe ich mich zu Tommy und Anne (ich bin immer stark versucht, Tommy und Annika (von Pipi Langstrumpf) zu sagen) gesellt, die auch schon Hunger hatten. Das Essen war zwar in Ordnung, aber dauernd tauchten Katzen auf, die auch hungrig schienen und leider überhaupt nicht scheu waren, sodass sie schon ziemlich nervten.

Hinterher habe ich mich dann gleich noch um mein Frühstück im Dorfladen gekümmert: Baguette und Schinken für ein „boccadillo“ und ein paar Bananen.

28-07-2009: Um 7 Uhr nach dem Frühstück gestartet. Hier in der Herberge habe ich noch jemanden getroffen, der am Bodensee am Karfreitag gestartet ist. Seine Frau ist erst später in Spanien dazu gekommen. Sie meinte, sie sei noch normal.

Ich hatte eigentlich vor, heute etwas eher zu starten, Marina (eine Kindergärtnerin aus Deutschland) hat mich aber überzeugt, erst später loszugehen, da man ja so früh den schönen Ausblick nicht genießen könne, weil es noch dunkel sei. Stimmt, daran hatte ich nicht gedacht.

Das Wetter war dann heute morgen auch schön und auch der Weg war traumhaft schön, da störte es gar nicht, dass es etwas bergig war. In O Cebreiro angekommen hatte man eine wunderschöne Aussicht. Auf den bergigeren Wegen, die nicht auf der Straße verlaufen, scheinen meine Fußschmerzen wie weggeblasen.

Jetzt bin ich in Galizien. Kurz vor O Cebreiro war der Grenzstein.

Auf dem Weg habe ich eine ältere deutsche Frau getroffen, die jedes mal, wenn sie an einem vorbei geht mit „Hasta luego!“ – „Bis später!“ grüßt. Ich habe sie zwar noch nie deutsch sprechen sehen, sie sieht aber sowas von deutsch aus und das „Hasta luego!“ spricht sie auch sehr deutsch aus.

Um 15 Uhr bin ich dann in Triacastela (27 Kilometer) angekommen, wo ich dann auch die anderen sofort am Ortseingang getroffen habe. Da die Gemeindeherberge sofort am Ortseingang in meinem Pilgerführer nicht so wirklich gut bewertet wurde, hatte ich mir eigentlich vorgenommen, eine andere private Herberge weiter im Ort zu nehmen. Als Alex dann aber sagte, sie seien auch in der Gemeindeherberge, habe ich sie mir erst mal angeschaut. Als dann im Vierbettzimmer, in dem Claudi, Alex und noch eine Estländerin namens Elo („I love stretching“) untergebracht waren, noch ein Bett frei war, bin ich doch dort geblieben. Diese Herberge ist auch billiger (kostet nur 3 Euro).

Claudi und ich sind dann ins Zentrum zum Einkaufen gegangen. Dort haben wir auch die österreichische Theologiestudentin Andrea wiedergetroffen. Sie hat sich auch „der Gruppe“ angeschlossen. „Die Gruppe“ sind Leute aus verschiedenen Ländern, die sich zusammengefunden haben, den Weg teilweise zusammen gehen, zusammen Pause machen, zusammen essen und Abends zusammen in der gleichen Herberge „einchecken“. Alles redet nur noch von „der Gruppe“, bzw. „the group“.

Gegen Abend war ich in der Pilgermesse. Der Pfarrer hat zwar versucht, eine besondere Messe für Pilger zu machen mit Lesungen in verschiedenen Sprachen, aber da er nur spanisch konnte und viel zu viel und zu schnell geredet hat, hat man nicht viel verstanden. Gut gemeint aber schlecht gemacht.

Hinterher waren wir im Dorf zum Pilgermenü, nachdem Giuseppe am liebsten den Kellner umgebracht hätte, weil dieser ihm beim ersten Mal nur eine Hand voll Pommes als Beilage serviert hatte, mit der Begründung, mehr Pommes wären gerade nicht fertig gewesen, er würde aber noch welche bringen. Nach dreimaligem Nachfragen hat ihm dann eine andere Kellnerin erklärt, das sei die normale Portion gewesen, wenn er noch mehr haben wollte, müsse er die bezahlen.

29-07-2009: Wollte heute morgen um 5 Uhr aufstehen (was den anderen im Zimmer gar nicht recht war), bin dann aber doch wieder bis 6 Uhr liegen geblieben. Als Elo aufgewacht ist, war sie ganz verwundert, dass ich immer noch da sei.

Der Weg verlief teilweise auf oder neben der Straße und ich merkte sofort, dass ich mittlerweile in Galizien war, denn wenigstens zu Anfang der Etappe war es relativ kalt und nebelig. Später kam aber doch noch die Sonne raus und auch der Weg war schön.

Um ca. 14:30 Uhr war ich in Barbadelos (23,5 Kilometer). Vorher ging es durch Sarria, der letzten etwas größeren Stadt, von wo aus alle die starten, die nur die letzten 100 Kilometer gehen. Um dieser Pilgermasse wenigstens ein oder zwei Tage entgehen zu können, bin ich 4,3 Kilometer weiter, also bis Barbadelos gegangen. Trotzdem war es hier (wohl auch wegen der geringen Bettenzahl) schon ziemlich ausgebucht und ich hätte nicht viel später kommen dürfen. Von Elo habe ich später erfahren, dass Claudi und Alex in Sarria geblieben sind. Die beiden hätten hier wohl auch kein Bett mehr bekommen. Werde morgen wohl etwas früher aufstehen, damit ich auch nächste Nacht noch ein Bett bekomme.

Heute Nachmittag habe ich meine Wäsche gewaschen, aber blöderweise wurde es gerade, als ich sie aufgehängt hatte unheimlich bewölkt. Also habe ich sie wieder abgenommen und für 2 Euro im Trockner getrocknet. Ich hoffe nur, dass sich die Wolken bis morgen wieder verziehen.

Elo, die sich am Ende ihres Studiums befindet (was, weiß ich nicht mehr), hat mich dann noch für ihre Abschlussarbeit über „Schmerzen auf dem Jakobsweg“ interviewt. War ein interessantes und gut geführtes Interview, weil es nicht nur stumpf abgearbeitete Fragen waren, sondern sie ihre Fragen auf die vorherigen Antworten bezogen hat. Das Interview handelte allerdings nicht nur von Schmerzen, sondern auch vielen anderen Sachen und Erfahrungen auf dem Weg und so war es auch für mich interessant, über einige dieser Fragen nachdenken zu müssen.

„Die Gruppe“, zu der auch Elo gehört, hat sich – wie ich erfahren habe – mehr oder weniger aufgelöst, weil ein Teil früher in Santiago ankommen will/muss und ein anderer Teil länger Zeit hat. Eine Hälfte ist auch hier in der Herberge, der andere Teil hat sich gerade verabschiedet und ist weitergezogen

In der anderen, privaten Herberge, wo es auch Internet gibt, gab es heute Abend auch ein Menü. Dort waren auch Andrea, Ria und ihre Tochter Joke und noch ein paar andere Mitglieder „der Gruppe“. Das Essen war sehr gut und die 9 Euro, die es kostete wert.

Als wir dann die Herberge verließen und zu unserer zurückkehrten regnete es sogar etwas. Besser jetzt als morgen früh.

30-07-2009: Um 6:40 Uhr gestartet. Das Wetter wurde auch heute nur sehr langsam gut. Aber kein Regen. Der Weg geht seit einigen Tagen durch unzählige kleine Weiler, die oft nur aus ein paar Bauernhöfen bestehen.

Außerdem ging es durch Portomarin, einer kleineren Stadt, die in den 60er Jahren komplett im Stausee versank und weiter oben neu aufgebaut wurde. Am Ortseingang habe ich einige Zeit Pause gemacht und mit Thomas und Anne bis zur Kirche gegangen, wo wir uns einen Stempel angeholt haben. Die beiden haben dann noch irgendwo Pause gemacht und ich habe in einem Sportgeschäft wenigstens endlich einen Gürtel gefunden.

Gegen 14:30 Uhr bin ich in Gonzar (26,9 km) angekommen. Ich habe mich für die etwas bessere private Herberge entschieden, die zwar 8 Euro kostet, aber den Preis wert ist.

Der heutige Weg war wahrscheinlich die letzte etwas längere Etappe. Die letzten Tage werde ich es wohl etwas ruhiger angehen lassen.

Hier in der Herberge ist fast nichts los. Viele werden in Portomarín geblieben sein. Auch das Menü hier in der Herberge war gut. Danach habe ich noch ein bisschen mit Thomas und Anne im Innenhof der Herberge gesessen. Die beiden sind gestern im gleichen Ort wie ich gewesen, aber etwas später gekommen und haben in einer Herberge, die nicht im Pilgerführer stand, übernachtet. Ich habe es bisher auf dem Weg noch nie erlebt, dass jemand keine Herberge gefunden hat. Irgendeine Möglichkeit gab es immer.

31-07-2009: Um 6 Uhr aufgestanden und nach 1,5 Kilometern in der Bar gefrühstückt. Ist praktischer als Baguette und Schinken vorher zu kaufen, mitzunehmen etc. ´Nen Kühlschrank kann ich ja auch nicht mitschleppen.

Der Weg war wieder sehr nebelig und erst später besser, aber richtig warm wurde es heute nicht.

Motiviert war ich heute weniger als an den letzten Tagen. Hoffentlich holen Alex und Claudi noch wieder auf.

Gegen Ende des heutigen Weges habe ich Thomas und Anne wiedergetroffen und bin mit ihnen die letzten ca. 6 Kilometer gegangen. Die beiden sind in Pontecampaña geblieben, ich bin noch 2,4 Kilometer weiter bis Casanova (13:15 Uhr, 22,4 Kilometer) gegangen. Hier gibt es außer der öffentlichen Herberge (3€) nur noch ein oder zwei Häuser. Außer mir ist bis jetzt nur noch ein Canadier namens Will hier.

Eine Möglichkeit zu Abend zu essen gibt es im Ort nicht, aber die Leute von einem Restaurant im Nachbarort holen bei Bedarf die Pilger von der Herberge mit dem Auto ab. Mal sehen.

Habe dann noch Wäsche gewaschen und im Trockner getrocknet, weil das Wetter draußen nicht den Anschein machte, als würde die Wäsche da trocknen.

Am späten Nachmittag sind noch ein paar Spanier und –innen gekommen, die Herberge ist aber noch lange nicht voll.

Will und ich haben das Angebot genutzt im Nachbarort zu essen. Es war schon ungewohnt, das erste Mal seit mehreren Wochen wieder in einem Auto zu sitzen. Das Essen war richtig gut. Als Vorspeise gab es „lentejas“ – spanische Linsensuppe.

Auf dem Rückweg zurück zur Herberge hat es dann auch etwas geregnet. Hoffe, dass morgen besseres Wetter ist.

01-08-2009: Bin heute morgen ausnahmsweise mal um 5 Uhr schon aufgewacht und wollte gerade aufstehen, da habe ich durch das offene Fenster gehört, dass es sehr stark regnete. Deshalb bin ich noch etwas liegen geblieben, in der Hoffnung, dass der Regen zumindest weniger würde. Gegen 6 Uhr (es regnete immer noch, aber nicht so stark) bin ich aufgestanden, alle anderen lagen immer noch in den Betten.

Unten in der Herberge habe ich in aller Ruhe gefrühstückt, verschiedenen Leuten per SMS alles Gute zum Berufsstart gewünscht (auch, um Zeit zu schinden) und dann wohl oder übel Regensachen angezogen und auch den Rucksack regenfest gemacht. Als ich dann nach draußen gegangen bin (mittlerweile war es 7 Uhr, aber immer noch etwas dunkel, wegen der Wolken) hatte der Regen aufgehört. Da das erste Stück durch den Wald verlief, habe ich aber doch den einen oder anderen Tropfen abbekommen.

In der nächsten Bar habe ich dann noch ein Boccadillo gegessen und meine Regenjacke ausgezogen. Durchs Schwitzen war ich nasser als ich es ohne Regenjacke wahrscheinlich gewesen wäre.

Wieder auf dem Weg kam auch bald noch ein Schauer. Ich habe mich schnell untergestellt und die Regenjacke, die auch von innen jetzt wieder halbwegs getrocknet war, wieder angezogen. Als es wieder aufhörte zu regnen, bin ich weiter gegangen.

Bald fing es dann aber wieder an zu regnen und der Regen wurde auch langsam stärker. Eine weitere Pause habe ich in der Sakristei einer Kirche gemacht, deren Tür offen stand und wo zwei Leute auf die Pilger warteten um Pilgerpässe abzustempeln.

In Galizien gibt es in fast jeder Kirche jemanden, der dort sitzt um gegen Spende einen Stempel in den Pilgerpass zu drücken, weil man  – wenn man den Weg erst in Galizien beginnt – pro Tag zwei Stempel benötigt.

Heute musste ich an eine Amerikanerin denken, mit der ich mich zu Anfang des Weges über das Wetter unterhalten habe und gemeint habe, das warme Wetter wäre mir wesentlich lieber als wenn es regnen würde. Sie meinte darauf nur, das wäre Einstellungssache. Heute habe ich gemerkt, dass ich im Regen besser gelaunt war, als sonst. Denn gegen den Regen konnte ich doch nichts machen.

Gut gelaunt bin ich dann – ca. 6 Kilometer vor meinem Etappenziel – an einer Bar vorbei, in der Anne und Thomas saßen. Ich habe mich dann noch kurz dazu gesetzt und zusammen sind wir dann bis Arzúa (23 Kilometer, 14:20) gegangen. In der nicht ganz billigen Herberge „Da Fonte“ (9€) bin ich in einem Vierbettzimmer, in dem allerdings nur drei Betten belegt sind. Außer mir sind hier noch zwei etwas ältere Deutsche. Draußen regnet es gerade nicht mehr.

Weil ich ziemlichen Hunger hatte, war ich sofort einkaufen. Die etwas seltsame und nur bedingt freundliche Herbergsmutter hielt uns wohl für ein bisschen blöd und hat jedes mal jemanden gefragt, ob er uns das übersetzen könne. Erst wollte sie mir dann erklären, wo der Supermarkt ist, was ich auch gut verstanden habe. Nach der Hälfte ihrer Erklärung hat sie dann aber plötzlich aufgehört zu erklären und hat mich zum Supermarkt gebracht. War mir dann auch recht.

Hinterher habe ich dann meine Wäsche gewaschen und mir mit Thomas und Anne den nicht billigen Trockner (wahrscheinlich hat man die Preise wegen des Regens erhöht. Wir hatten schließlich keine Wahl.)

Abends war ich in der Pilgermesse. Da sie hier 4 Priester hatten, hat einer Orgel gespielt. Die erste Messe seit Roncesvalles mit Orgel! Nach den Pilgermessen werden die Pilger oft nach vorne gebeten für einen Pilgersegen. Da standen dann plötzlich Alex und Claudi neben mir. Die beiden hätte ich hier gar nicht erwartet. Alex meinte dann „Du kannst mir nicht entkommen!“. Das hat Phillip ihm beigebracht…

Die beiden sind in der öffentlichen Herberge. Hier habe ich noch Ines aus Bad Salzufflen kennen gelernt.

Alex, der eine Dokumentation über den Jakobsweg machen will, hat hier nun endlich sein Interview mit Claudi, Ines und mir gemacht.

Hinterher haben wir zusammen mit Giuseppe und Maude noch etwas zusammen gesessen. Ich musste dann aber bald gehen, weil es schon 22 Uhr war und die Hospitaleros die Herberge schließen wollten. Meine Herberge hätte erst um 23 Uhr zu gemacht.

Dann fiel mir ein, dass ich meine Wäsche ganz vergessen hatte. Beim Trockner war nichts mehr. Anne und Thomas schliefen auch schon und ich wollte sie nicht unbedingt wecken. Bin dann erst mal in mein Zimmer, wo dann auch die Sachen sogar ordentlich zusammengenommen auf meinem Bett lagen. An dieser Stelle noch mal herzlichen Dank an Anne und Thomas!

Meine beiden Zimmermitbewohner schliefen schon so halb, deswegen habe ich  mich auch beeilt schnell ins Bett zu kommen.

02-08-2009: Um 6 Uhr aufgestanden, in der Küche gefrühstückt und dann los. Kaum bin ich aus der Herberge herausgegangen, kamen die anderen vier schon vorbei. Also sind wir zusammen gegangen. Die Zeit verging rasend schnell. Der Himmel war zwar bewölkt, aber kein Regen.

Wir haben auf dem Weg zwei ziemlich ausgedehnte Pausen gemacht. In Pedrouzo angekommen (19 km, 12:45 Uhr) wollten die anderen allerdings noch 16,5 Kilometer weiter bis Monte de Gozo, 4 Kilometer vor Santiago. Da ich noch sehr viel Zeit habe und mir 16,5 Kilometer für heute noch zu viel waren, habe ich mich von den anderen verabschiedet und abgemacht uns in zwei Tagen dann in Santiago zu sehen. Ich hatte vor, morgen dann bis Monte de Gozo zu gehen und erst übermorgen in aller Ruhe die letzten 4 Kilometer bis Santiago zu gehen.

Hier in Pedrouzo ist eine sehr schöne Herberge, die allerdings auch entsprechend teuer ist (10€). Hier gibt es viel Platz, gute Sanitäranlagen und einem schönen Innenhof mit Springbrunnen.

Auf dem Weg habe ich heute auch Waltraud wiedergetroffen. Ich dachte, sie sei schon weit vor uns, hat aber einen Tag Pause gemacht und war in der gleichen Herberge wie die anderen.

Auch Kassandra und Selma habe ich auf dem Weg wiedergesehen. Jetzt gegen Ende trifft man wohl fast alle wieder. Vielleicht sehe ich die anderen, die ich kennen gelernt habe, ja morgen oder übermorgen auch noch wieder.

Heute Abend gibt es hier im Ort noch einen Mittelaltermarkt, weiß aber noch nicht, ob ich dort hingehe. Habe nicht wirklich Lust dazu.

Waltraud ist wohl auch hier in der Herberge, aber ziemlich spät erst angekommen. Sie hat im Ort Spaghetti zu Mittag gegessen, da wäre aber wohl eine Fliege drin gewesen. „Pasta con mosco“ schein hier „in“ zu sein…

03-08-2009: Gestern Abend hatte ich keine Lust auf den Mittelaltermarkt. Da in der Herberge niemand wirklich bekanntes war, war mir gestern ziemlich langweilig. Deshalb bin ich sehr früh ins Bett gegangen. Ich wollte auch am nächsten Tag in Santiago ankommen und nicht noch einen Tag in Monte de Gozo rumhängen. Da in Pedrouzo doch nichts los war, habe ich mich in der Herberge erkundigt, wann man die Herberge morgens verlassen könne. Antwort war, die Tür sei von innen die ganze Nacht zu öffnen. Also habe ich mir den Wecker auf 3 Uhr gestellt, bin dann um 3 Uhr auch aufgestanden. Es fiel gar nicht auf, da es im Schlafsaal die ganze Nacht sehr unruhig war. Habe den Rucksack mit in den Vorraum genommen und alles eingepackt.

In der Stadt waren schon (oder noch) Leute mit dem Abbauen des Mittelaltermarktes beschäftigt. Ich bin die Straße entlang, doch nach einiger Zeit kamen keine Pfeile mehr. Dafür eine Kreuzung. Also ca. einen halben Kilometer zurück, wo ich dann nach einigem Suchen links am Waldeingang einen Pfeil gefunden hatte. Auf den ersten Blick und ohne direkt darauf zu leuchten war dieser in der Dunkelheit nicht zu sehen.

Der Weg ging dann auch größtenteils durch den Wald. Und das bei Nacht. Teilweise war das schon etwas gruselig.

Kurz vor Labacolla habe ich dann noch einmal den falschen Weg genommen, was aber an den Pfeilen und nicht an der Dunkelheit lag. In Labacolla dann noch eine Pause gemacht (mittlerweile war es kurz nach 6 Uhr), trotz der Uhrzeit war noch keine Bar geöffnet. In einigen Orten auf dem Weg, konnte man um diese Uhrzeit schon in einigen Bars frühstücken. Mittlerweile hatte ich Hunger und Durst. Ein Getränkeautomat war im Ort zwar vorhanden, ich hatte aber keine Münzen mehr.

Plötzlich kam wie aus dem Nichts ein Taci, hielt auf der Straße und eine Frau mit Kopftuch kam irgendwo aus dem Wald und stieg ein. Komisch…

Auch liefen einige Hunde auf der Straße herum und überall bellte es.

Bin dann bald weiter gegangen. In Monte de Gozo (übersetzt „Berg der Freude“, weil man von diesem Berg Santiago sehen kann) – mittlerweile war es auch relativ hell – habe ich noch versucht einen Stempel zu bekommen, aber erfolglos. Also weiter den Berg hinunter nach Santiago.

In einer teuer aussehenden Bar ein weniger teures Wasser getrunken (endlich!) und hier noch einmal den Pilgerausweis abgestempelt. Dann habe ich mich auf die letzten ca. 2 Kilometer gemacht. Um ca. 8:45 Uhr war ich dann plötzlich auf dem großen Platz vor der Kathedrale, der noch ziemlich leer war. War ein komisches Gefühl, plötzlich da zu sein, wo man seit 34 Tagen drauf zugeht. Ich habe mich dann erst mal dort ein bisschen hingesetzt.

Um 9 Uhr bin ich dann zum Pilgerbüro neben der Kathedrale, wo schon eine kleine Schlange anstand und habe mir meine „Compostela“ angeholt. Danach bin ich dann auf Zimmersuche gegangen. Mit Rucksack etc. war das allerdings ziemlich blöd, durch die ganze Stadt zu laufen, deshalb habe ich bald die Suche nach einer günstigen Pension aufgegeben und habe um 10:30 Uhr ein Zimmer in einer Pension, die keine 50 Meter von der Kathedrale, also ziemlich zentral gelegen war, genommen. Das Zimmer kostete zwar 30 Euro, war aber ziemlich gut und mit eigenem Bad und Dusche, die ich dann auch sofort genutzt habe. Ein günstigeres Zimmer für die nächsten Tage wird später in Ruhe gesucht.

Um 11 Uhr habe ich mich auf den Weg in die Kathedrale gemacht, die sich schon so langsam füllte. Habe aber noch einen Platz in der zweiten Reihe bekommen. Neben mir saßen Ines und Freundin Anna. Die Pilgermesse um 12 Uhr war sehr schön und international. Ganz vorne saß der Sohn von irgendeinem Schauspieler, der wohl Geburtstag hatte und extra begrüßt wurde…

Während und vor der Messe habe ich andauernd bekannte Gesichter gesehen. Auch Karin, die wieder einmal vollkommen fertig aussah.

Auch Alex und Claudi habe ich gesehen, die heute wohl ausgeschlafen hatten und gerade erst angekommen sind. Ich habe sie also sogar noch überholt!

Zum Ende der Messe wurde sogar das große Weihrauchfass, der „botafumeiro“ unter mächtiger Orgelmusik geschwenkt.

Alex und Claudi saßen nach der Messe auf dem großen Platz vor der Kathedrale, wo auch die beiden Thüringer und viele andere bekannte saßen. Zusammen mit Ines und Anna haben wir erst mal was getrunken und gegessen. Dann haben mir Claudi und Alex ihre Pension gezeigt, wo ein Einzelzimmer nur 20 Euro pro Person kostete. Dort habe ich dann auch sofort für die nächste Nacht reserviert.

Bin dann noch mal in die Kathedrale zum Grab des Apostels Jakobus und zur Jakobusfigur am Hochaltar, wie es Pilgerbrauch ist.

Abends haben wir uns um 19 Uhr mit Giuseppe und Maude getroffen, waren im Casa Manolo am „Plaza de Cervantes“, wo es gute und günstige Menüs gibt. Dort haben wir Axel aus Deutschland und Thomas und Anne wiedergetroffen.

Hinterher haben wir eine Bar gesucht, wo es Queimada gibt (eine galizische alkoholische Spezialität mit Kaffeebohnen und Zitronenscheiben, die flambiert wird). Haben wir nach sehr langem Suchen auch gefunden. Sehr stark, kann man nicht viel von trinken.

Um ca. 0:30 Uhr haben wir uns dann auf den Rückweg zu unseren Pensionen gemacht.

04-08-2009: Endlich mal wieder ausschlafen oder wenigstens etwas länger schlafen können. Heute bin ich um 8 Uhr aufgestanden um meiner Schwester die Daumen für die Führerscheinprüfung zu drücken. Kurz nach dem Aufstehen tun die Füße doch immer noch etwas weh, dann geht es aber bald. Um 9:30 Uhr war ich zum Kapitelsamt in der Kathedrale. Die Messen hier sind viel schöner als die meisten auf dem Weg. Und vor allem mit Musik und Orgel.

Danach habe ich meine Sachen aus der Pension geholt und bin umgezogen in die andere Pension, die allerdings ein bisschen weiter abgelegen ist. Trotzdem schafft man es in 5 Minuten zum Hauptplatz. Ich stand blöderweise erst vor der falschen Tür, an der auch keine Klingel war und habe dann Claudi angerufen, die wohl noch im Bett lag und sie gebeten, ob sie die Wirtin bitten könnte unten zu öffnen. Habe dann auch gemerkt, dass die Pension (die von außen nicht gekennzeichnet war) nicht links, sondern rechts von einer größeren Pension war.

Ich habe mich dann auch noch wieder hingelegt (nachdem ich eine SMS bekommen hatte, dass meine Schwester die Prüfung bestanden hat) und um ca. 16 Uhr erst wieder wach geworden. Habe ein bisschen gegessen und bin dann zur Touristeninformation gegangen um mich um einen Bus für morgen nach Finisterra – ans Ende der Welt – zu kümmern. Dort sagte man mir, man müsse die Buskarte direkt am Busbahnhof kaufen oder telefonisch vorbestellen. Laut Pilgerführer soll man auf jeden Fall eine Karte reservieren, weil die Busse sehr voll würden. Claudi, die auch zum Busbahnhof wollte um ein Ticket nach Hause zu kaufen, habe ich nirgends gefunden und auch telefonisch nicht erreicht und weil ich zu faul war bis zum Busbahnhof zu gehen, habe ich erst mal die Telefonnummer angerufen, die man mir in der Touristeninformation gesagt hatte. Die Dame am anderen Ende der Leitung hat mir dann gesagt, die Tickets könne man erst unmittelbar vor der Fahrt am Busbahnhof kaufen. Aha. Dann habe ich mir den Weg dorthin für heute gespart.

Danach bin ich noch ein bisschen in der Stadt herumgelaufen und hin und wieder auch ein paar bekannte getroffen. Waltraud habe ich wiedergetroffen, die sich morgen zu Fuß auf den Weg nach Finisterra machen will. Außerdem habe ich Bernd und Rolf wiedergetroffen, die in Arzúa mit mir im gleichen Zimmer waren und auch in Pedrouzo in der gleichen Herberge wie ich waren. Die beiden wollen morgen ebenfalls nach Finisterra, auch wie ich mit dem zweiten Bus, der zwar eine halbe Stunde länger fährt, der Weg sich aber lohnen würde.

Weil ich schon wieder müde war, habe ich mir ein Boccadillo zum Abendessen gekauft, habe die Wirtin in der Pension gefragt, ob ich meinen Rucksack in der Pension lassen könnte, bis ich wieder käme. Habe mir gestern eine Tasche gekauft, die ich tagsüber mitnehmen kann und in die ich auch gegebenenfalls Souvenirs und was zu trinken reinpacken kann. Für die nächsten ein oder zwei Tage in Finisterra will ich nur die nötigsten Sachen und nicht den ganzen Rucksack mitschleppen. Die Frau in der Pension war damit auch einverstanden, ich bräuchte den Rucksack nur im Zimmer liegen lassen und jemand würde den dann unten in einem Raum deponieren.

Habe mich dann bald ins Bett gelegt und durchs Dachfenster dem Konzert, das auf dem Platz direkt vor der Pension war, zugehört. Bin aber dann auch bald eingeschlafen.

05-08-2009: Um 9 Uhr bin ich nach ca. 15 Minuten am Busbahnhof angekommen, der etwas außerhalb liegt. Claudi und Alex habe ich im 9- Uhr- Bus gesehen. Alex sagte vorgestern noch, er wolle nach Finisterra gehen, hat sich wohl umentschieden.

Habe mir dann in Ruhe eine Fahrkarte für den Bus um 10 Uhr gekauft, mit dem auch Anne und Tommy fahren. Ebenso Bernd und Rolf. Auch Waltraud habe ich im Bus gesehen, die eigentlich auch gehen wollte – dachte ich zumindest.

Auf dem Weg habe ich erfahren, dass Jerome, der überlegte, den Weg abzubrechen auch einige Tage, nachdem ich ihn das letzte Mal gesehen hat, nach Hause gefahren ist.

In Fisterra sind wir nach 3 Stunden Busfahrt angekommen. Die Fahrt war auch lang genug und trotz Reisetabletten hart an der Grenze.

An der dortigen Busstation standen schon verschiedene Leute, die Zimmer anboten. Waltraud und ich – Thomas und Anne waren etwas misstrauisch – und später wohl auch Bernd und Rolf sind einer Frau gefolgt, die Einzelzimmer für 15 Euro pro Nacht anbot. Auf dem Weg zur Pension hat Waltraud dann erklärt, dass ich sie falsch verstanden hätte und sie den Weg nicht hätte gehen wollen. Als ich sie dann aufgeklärt habe, dass es bis zum Kap Finisterra noch 4,5 Kilometer zu Fuß seien, war sie schon etwas geknickt.

Die Frau, die die Zimmer anbot brachte uns dann zu einem Haus mit zwei Wohnungen, die jeweils einige Schlafzimmer, ein Bad und eine Küche hatten. Die Zimmer hätten sicherlich dein einen oder anderen Stern verdient. Sehr große Zimmer mit Sofa und King-Size-Betten (bzw. die Doppelbetten waren genauso groß wie die Einzelbetten und die Zimmer waren wohl je nach Bedarf Einzel- oder Doppelzimmer).

Der Zufall wollte es dann so, dass im gleichen Haus natürlich auch Claudi und Alex, sowie Selma und Kassandra ein Zimmer hatten. Das ganze war also fast wie eine WG, weil sich alle untereinander kannten.

Mit Claudi und Alex, die gestern in eine Jugendherberge mit Küche umgezogen sind (weswegen ich sie den ganzen Tag auch nicht gesehen habe) bin ich dann an den Strand. Alex hat dort gefilmt und Claudi die meiste Zeit geschlafen. Ich habe mich auch ausgeruht, den Sand und das Meer genossen.

Abends haben wir zusammen gekocht. Als Vorspeise gab es Tütensuppe, zum Hauptgang Nudeln mit einer super-leckeren Sauce und zum Nachtisch Flan. Dazu Rotwein.

Für heute Abend hatten wir nach dem Essen das Kap eingeplant, weil es aber schon relativ spät war, haben wir, die wir alle noch einen Tag länger bleiben wollen, das auf morgen vertagt.

Claudi und Alex haben sich bald verzogen, ich habe noch mit Selma, Kassandra und Waltraud in der Küche gesessen und erfahren, dass Waltraud ein Buch über den Weg schreibt.

06-08-2009: Um 9 Uhr aufgestanden, Claudi stand vor der Tür, sie und Alex hatten Frühstück eingekauft. Ich war schon davon ausgegangen, jetzt mit knurrendem Magen ins Zentrum gehen zu müssen und mir dort etwas kaufen zu müssen.

Wir haben dann zusammen gefrühstückt, danach haben Alex und ich uns auf die Suche nach einem Internetcafé gemacht um E-Mails zu checken etc. In einer der örtlichen Pilgerherbergen standen dann auch zwei Computer. Blöderweise tat der PC, an den sich Alex gesetzt hat nicht, sodass er weitergegangen ist. Claudi hat in der Zeit in der Pension gewartet, falls die Besitzerin wiederkäme, um für die nächste Nacht zu kassieren.

Wieder in der Herberge war Alex immer noch nicht zurück. Ich habe einen Zettel hingelegt, ich wolle noch eine weitere Nacht bleiben und würde um 12 Uhr zurückkommen und zahlen. Mit Claudi bin ich ins Ortszentrum gegangen, auf der Suche nach einem Stadtplan. Die Herberge, welche auch als Touristeninformation fungiert war allerdings noch geschlossen und im Rathaus hatte man auch keine Stadtpläne mehr. Dafür haben wir in einer Bar Andrea wiedergetroffen, mit der wir dann noch in ein Café gegangen sind. Dort habe ich mir noch ein Boccadillo bestellt (quasi als zweites Frühstück und Mittagessen). Während Claudi und Andrea im Café (sogar mit Meerblick) geblieben sind, habe ich mich auf den Weg zur Pension gemacht um Alex zu suchen, der nicht wissen konnte, wo wir sind.

Alex hatte sich etwas hingelegt, wollte gleich nachkommen. Die Besitzerin der Pension war wohl immer noch nicht da gewesen.

Zurück ins Café. Alex kam eine halbe Stunde später und sagte, die Pensionsbesitzerin sei mittlerweile dort gewesen und er habe ihr auch gesagt, dass ich eine weitere Nacht bleiben wolle.

Die drei sind dann zu einem anderen Strand, ich bin noch ein bisschen durch die Stadt gegangen, dann zurück zur Pension um mich umzuziehen. Da die Besitzerin wieder weg war, habe ich 15 Euro im Zimmer liegen lassen und habe mich auch auf den Weg zum Strand gemacht. Auf dem Weg ist mir Phillip aus Thüringen entgegengekommen, der gerade zu Fuß angekommen ist.

Bald sind wir zusammen zurück zur Pension um dort schnell etwas zu essen und dann zum Kap. Andrea wollte nicht mit, sie war schon zweimal dort.

Am Kap war es sehr voll, alles stand voll mit Autos und Reisebussen. Habe blöderweise meine kaputte Hose, die ich hunderte Kilometer weiter mitgenommen habe, um sie hier verbrennen zu können, in der Pension vergessen. Meine Jacke liegt in Santiago. Da Claudi zwei mitgenommen hatte, hat sie mir eine geliehen, denn es wurde schon ziemlich kalt.

An der Feuerstelle, wo Selma und Kassandra schon Sachen verbrannten, habe ich dann kurzerhand mein Unterhemd verbrannt, das mittlerweile eher grau als weiß war.

Mit einer Flasche Wein und Schokolade haben wir dort den Sonnenuntergang angeschaut und Photos gemacht. Die Atmosphäre perfekt gemacht hat Phillip, der Mundharmonika gespielt hat.

Nach dem Sonnenuntergang haben wir uns zusammen auf den Rückweg gemacht. Phillip, Claudi und Alex sind noch zu einem Zelt am Strand, ich habe mich auf den Weg zur Pension gemacht, weil ich die Augen kaum noch aufhalten konnte. Das Geld war mittlerweile abgeholt worden.

07-08-2009: Um 7:45 Uhr haben wir uns mit dem Taxi auf den Weg nach Santiago gemacht, da Claudis Bus schon um 10:00 Uhr zurück nach Deutschland geht. Der Bus von Fisterra wäre also zu spät gewesen, aber sie wollte die letzte Nacht noch hier verbringen. Also haben wir gestern nach einem Taxifahrer gesucht, der uns heute morgen nach Santiago brachte. Er ist dann auch sehr pünktlich erschienen.

Die Fahrt dauerte nur eine Stunde und 15 Minuten, durch die rasante Fahrweise des Taxifahrers reichte mir das aber auch.

Wir haben Claudi dann verabschiedet und Alex und ich sind zur Jugendherberge, in der die beiden vor ein paar Tagen waren. Dort war allerdings kein Platz mehr frei, weswegen wir dann zu einer anderen Herberge gegangen sind, die 15 Minuten von der Kathedrale entfernt liegt. Dort gibt es auch eine Küche.

Nachmittags habe ich mich auf den Weg in die Stadt gemacht und Souvenirs gekauft. Abends haben wir Reis mit Hackfleisch und Bohnen gekocht und noch mit zwei Jugendlichen gesprochen, die Santiago als Touristen besuchen.

08-08-2009: Morgens erst zum Kapitelsamt in der Kathedrale, danach mit Alex zu Mittag gegessen. Er wollte mal caldo gallego (galizischer Eintopf) probieren, der auch wirklich gut schmeckt.

Wir sind noch ein bisschen in der Stadt herumgelaufen und haben mal wieder Andrea getroffen, die dann auch gleich vorgeschlagen hat, sich noch ein bisschen in ein Café zu setzen. Dort haben wir uns noch etwas unterhalten, während Alex noch einkaufen gegangen ist. Andrea fliegt morgen nach Barcelona, wo sie noch ein bisschen Urlaub machen will.

In der Herberge haben wir dann für die nächste Nacht bezahlt, ich habe auch sofort für die übernächste Nacht reserviert. Alex will erst für ein paar Tage nach Barcelona und dann Claudi in Erfurt besuchen, bevor er zurück nach Canada fliegt.

Ich habe mir am Nachmittag noch das Kathedral-, sowie das Pilgermuseum angeschaut. Zum Abendessen gab es Tütensuppe mit Baguette.

09-08-2009: Nach der Messe (ist in der Kathedrale immer sehr schön und feierlich) war ich mit Alex Mittagessen. Vor ein paar Tagen haben wir hier ein Restaurant entdeckt, das für 8,50 Euro ein „all-you-can-eat“- Buffet anbietet. Es gab allerdings nicht so sehr viel Auswahl, das Essen an sich war aber ok.

Dann sind wir zurück zur Herberge, Alex hat noch etwas am PC gecheckt, danach dann zum Busbahnhof. Alexs Bus nach Barcelona ging um 17 Uhr. Er bleibt dort bis Donnerstag und fliegt dann mit dem Flugzeug nach Deutschland.

Ich habe mich dann auf den Weg zurück zur Herberge gemacht. Schon ein bisschen komisch, jetzt wieder ganz alleine zu sein. Andererseits ist es aber auch praktisch, als letzter quasi „übrig zu bleiben“. Der Abschied fällt so nicht so schwer.

In der Herberge habe ich meinen Rucksack gepackt, mir noch eine Tütensuppe gekocht, bin dann noch mal an den PC um E-Mail etc. nachzuschauen und habe mich dann relativ früh schlafen gelegt.

Da in meinem Zimmer noch alle Betten unbelegt waren, mein Bett aber das letzte freie war, mussten noch irgendwelche Leute kommen. Die kamen dann auch nach 22 Uhr. Ich glaube, es waren auch Pilger aus Tschechien oder Polen. Sie haben zwar versucht möglichst leise zu sein, aber das ist schwer machbar, wenn man noch das Bett beziehen muss etc.

10-08-2009: Meine Zimmermitbewohner sind nicht nur sehr spät gekommen, sondern heute morgen auch sehr früh wieder aufgestanden. Ich konnte also nicht wirklich ausschlafen. Bin dann also aufgestanden, habe geduscht und meinen Rucksack in der Herberge deponiert. Der Typ an der Rezeption meinte, normalerweise würden die da Geld für , er würde aber mal eine Ausnahme machen. (die letzten Male, wo wir unsere Rucksäcke unten haben deponieren lassen, kostete das nie was…).

Zum Abschluss bin ich dann um 12 Uhr noch einmal zur Pilgermesse gegangen.

Danach habe ich meine Sachen abgeholt und bin zum Busbahnhof. Von dort fährt stündlich ein Bus zum Flughafen. Am Busbahnhof habe ich – da der letzte Bus gerade abfuhr und der nächste erst in einer Stunde fährt – noch in Ruhe ein Boccadillo (wahrscheinlich das letzte) als Mittagessen gegessen.

Um 14:10 Uhr ging es mit dem Bus zum „aeropuerto“. Dort musste ich – weil ich noch relativ früh war – noch eine halbe Stunde warten, bis ich einchecken konnte. Hinter der Sicherheitskontrolle habe ich dann – da ich seit meiner Ankunft in Santiago meine Notizen etwas vernachlässigt habe, mein „Tagebuch“ seit dem 3. August geschrieben.

Jetzt sitze ich im Flugzeug nach Mallorca. Dort war vor ein paar Tagen wohl noch ein Anschlag der ETA gewesen.

Von dort aus geht es in ein paar Stunden zum Flughafen Münster- Osnabrück und dann endlich nach Hause.

2 Gedanken zu „Camino-Tagebuch“

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