Die Stadt Orán und die Freiwilligenprojekte

San Ramón de la Nueva Orán – so lautet der volle Name der Stadt – liegt im  Nordwesten Argentiniens, in der Provinz Salta, somit in der Übergangszone von Tropen zu Subtropen, nahe der bolivianischen Grenze. Im Sommer (Dezember- Februar) wird es also richtig warm (bis zu 50 ° C), im Winter aber auch hin und wieder sehr kühl. Orán hat ca. 100.000 Einwohner und ist Bischofssitz des Bistums Orán.

Die Wirtschaft der Stadt wird von tropischer Landwirtschaft und von verarbeitender Industrie dominiert.

Die Projekte

In Orán gibt es mehrere Projekte, die ein deutsch-kolumbianisches Ehepaar zusammen mit dem Bischof von Orán gegründet und aufgebaut hat. Unterstützt werden diese Projekte von Adveniat und der deutschen Jesuitenmission, die auch jedes Jahr Freiwillige nach Orán senden:

– das Centro San José (eingeweiht im Jahr 2004) ist ein Zentrum, in dem Kinder mit verschiedenen Behinderungen ambulant betreut und gefördert werden. Hier gibt es beispielsweise psychologische Betreuung, Sprachförderung oder Physiotherapie. Im Centro gibt es auch Unterbringungsmöglichkeiten für bis zu sechs Freiwillige in drei Zimmern. Zurzeit wohnen wir hier mit drei Freiwilligen, jedes Zimmer hat sogar ein eigenes Bad, die Küche benutzen wir gemeinsam mit dem Team des Centros. Außerdem gibt es ein gemeinsames Wohn- und Esszimmer für die Freiwilligen. Aufgrund vieler Einbrüche und Diebstähle gleicht das Grundstück einem Hochsicherheitstrakt, eine hohe Mauer mit
Stacheldraht, mehrere Schlösser pro Tür (ich habe 8 Schlüssel für zwei Türen und zwei Tore) und mittlerweile auch eine Alarmanlage sollen vor weiteren Einbrüchen schützen.

– ein Heim für Kinder und Jugendliche („Hogar del Niño Jesus“), von denen einige Vollwaisen sind, der Großteil aber „Sozialwaisen“, deren Eltern ihre Kinder nicht versorgen können und teilweise sogar auf richterlichen Beschluss im Heim sind.

– drei Kindergärten,

– ein Jugend- und Kulturzentrum,

– eine Einrichtung zur Hausaufgabenbetreuung und anderer Bildungsprogramme für Kinder und Jugendliche („Casa Divina Providencia“),

– eine Buchhandlung,

– zwei Mikrokreditprogramme: eines zur Vergabe von Kleinkrediten mit geringen Zinssätzen zur Existenzsicherung und eines um den Bau von Häusern oder deren Reparatur o.ä. zu ermöglichen. In beiden Programmen werden pro Person maximal 1000 Pesos (ca. 200 Euro) vergeben.

 

Ich arbeite zum Einen in den Mikrokreditprogrammen mit. Dabei sind Sebastian und ich hauptsächlich für die Verwaltung und Administration der beiden Programme zuständig, neben der „Büroarbeit“ stehen aber auch Besuche bei Antragstellern und säumigen Kreditnehmern auf der Tagesordnung, meistens mit dem Rad. Diese Besuche machen wir meistens – je nach Programm – mit Gladys oder Cristina. Beide kommen aus Orán, Gladys ist für die „Microcréditos“ – dem Programm zur Existenzsicherung, und Cristina für die „Préstamos“ – das Programm für Privatpersonen, zuständig.

Zum administrativen Teil gehört zusätzlich noch die Verwaltung einer kleinen Buchhandlung, die Auszahlung von Geldern (z.B. die Gehälter für die Kindergärten) und einige weitere Kleinigkeiten.
Zum Anderen arbeite ich im Hogar – im Kinderheim – mit. An drei Vormittagen in der Woche helfe ich den Kids bei den Hausaufgaben oder mache andere Dinge, die gerade anfallen. Freitags gebe ich einen Computerkurs und jeden zweiten Samstag machen wir mit allen Freiwilligen und zwei weiteren Mitarbeitern aus dem Hogar einen Workshop für die älteren Kids, zum Beispiel zu Themen wie „Selbstwertgefühl“, „Selbstbewusstsein“ oder „Emotionen“.

Mein Tagesablauf ist also einerseits durch die Arbeit im Hogar festgelegt, die Arbeit mit den Kleinkrediten, Besuche und administrative Aufgaben in die verbleibende freie Zeit zu integrieren bleibt mir überlassen. Auch die Versorgung bleibt uns selbst überlassen: morgens und abends essen wir meistens zusammen im Centro, an den Tagen, an denen wir im Hogar bzw. der Casa Divina Providencia arbeite, esse wir dort meistens auch zu Mittag.