03-08-2009: Gestern Abend hatte ich keine Lust auf den Mittelaltermarkt. Da in der Herberge niemand wirklich bekanntes war, war mir gestern ziemlich langweilig. Deshalb bin ich sehr früh ins Bett gegangen. Ich wollte auch am nächsten Tag in Santiago ankommen und nicht noch einen Tag in Monte de Gozo rumhängen. Da in Pedrouzo doch nichts los war, habe ich mich in der Herberge erkundigt, wann man die Herberge morgens verlassen könne. Antwort war, die Tür sei von innen die ganze Nacht zu öffnen. Also habe ich mir den Wecker auf 3 Uhr gestellt, bin dann um 3 Uhr auch aufgestanden. Es fiel gar nicht auf, da es im Schlafsaal die ganze Nacht sehr unruhig war. Habe den Rucksack mit in den Vorraum genommen und alles eingepackt.
In der Stadt waren schon (oder noch) Leute mit dem Abbauen des Mittelaltermarktes beschäftigt. Ich bin die Straße entlang, doch nach einiger Zeit kamen keine Pfeile mehr. Dafür eine Kreuzung. Also ca. einen halben Kilometer zurück, wo ich dann nach einigem Suchen links am Waldeingang einen Pfeil gefunden hatte. Auf den ersten Blick und ohne direkt darauf zu leuchten war dieser in der Dunkelheit nicht zu sehen.
Der Weg ging dann auch größtenteils durch den Wald. Und das bei Nacht. Teilweise war das schon etwas gruselig.
Kurz vor Labacolla habe ich dann noch einmal den falschen Weg genommen, was aber an den Pfeilen und nicht an der Dunkelheit lag. In Labacolla dann noch eine Pause gemacht (mittlerweile war es kurz nach 6 Uhr), trotz der Uhrzeit war noch keine Bar geöffnet. In einigen Orten auf dem Weg, konnte man um diese Uhrzeit schon in einigen Bars frühstücken. Mittlerweile hatte ich Hunger und Durst. Ein Getränkeautomat war im Ort zwar vorhanden, ich hatte aber keine Münzen mehr.
Plötzlich kam wie aus dem Nichts ein Taci, hielt auf der Straße und eine Frau mit Kopftuch kam irgendwo aus dem Wald und stieg ein. Komisch…
Auch liefen einige Hunde auf der Straße herum und überall bellte es.
Bin dann bald weiter gegangen. In Monte de Gozo (übersetzt „Berg der Freude“, weil man von diesem Berg Santiago sehen kann) – mittlerweile war es auch relativ hell – habe ich noch versucht einen Stempel zu bekommen, aber erfolglos. Also weiter den Berg hinunter nach Santiago.
In einer teuer aussehenden Bar ein weniger teures Wasser getrunken (endlich!) und hier noch einmal den Pilgerausweis abgestempelt. Dann habe ich mich auf die letzten ca. 2 Kilometer gemacht. Um ca. 8:45 Uhr war ich dann plötzlich auf dem großen Platz vor der Kathedrale, der noch ziemlich leer war. War ein komisches Gefühl, plötzlich da zu sein, wo man seit 34 Tagen drauf zugeht. Ich habe mich dann erstmal dort ein bisschen hingesetzt.
Um 9 Uhr bin ich dann zum Pilgerbüro neben der Kathedrale, wo schon eine kleine Schlange anstand und habe mir meine „Compostela“ angeholt. Danach bin ich dann auf Zimmersuche gegangen. Mit Rucksack etc. war das allerdings ziemlich blöd, durch die ganze Stadt zu laufen, deshalb habe ich bald die Suche nach einer günstigen Pension aufgegeben und habe um 10:30 Uhr ein Zimmer in einer Pension, die keine 50 Meter von der Kathedrale, also ziemlich zentral gelegen war, genommen. Das Zimmer kostete zwar 30 Euro, war aber ziemlich gut und mit eigenem Bad und Dusche, die ich dann auch sofort genutzt habe. Ein günstigeres Zimmer für die nächsten Tage wird später in Ruhe gesucht.
Um 11 Uhr habe ich mich auf den Weg in die Kathedrale gemacht, die sich schon so langsam füllte. Habe aber noch einen Platz in der zweiten Reihe bekommen. Neben mir saßen Ines und Freundin Anna. Die Pilgermesse um 12 Uhr war sehr schön und international. Ganz vorne saß der Sohn von irgendeinem Schauspieler, der wohl Geburtstag hatte und extra begrüßt wurde…
Während und vor der Messe habe ich andauernd bekannte Gesichter gesehen. Auch Karin, die wieder einmal vollkommen fertig aussah.
Auch Alex und Claudi habe ich gesehen, die heute wohl ausgeschlafen hatten und gerade erst angekommen sind. Ich habe sie also sogar noch überholt!
Zum Ende der Messe wurde sogar das große Weihrauchfass, der „botafumeiro“ unter mächtiger Orgelmusik geschwenkt.
Alex und Claudi saßen nach der Messe auf dem großen Platz vor der Kathedrale, wo auch die beiden Thüringer und viele andere bekannte saßen. Zusammen mit Ines und Anna haben wir erstmal was getrunken und gegessen. Dann haben mir Claudi und Alex ihre Pension gezeigt, wo ein Einzelzimmer nur 20 Euro pro Person kostete. Dort habe ich dann auch sofort für die nächste Nacht reserviert.
Bin dann noch mal in die Kathedrale zum Grab des Apostels Jakobus und zur Jakobusfigur am Hochaltar, wie es Pilgerbrauch ist.
Abends haben wir uns um 19 Uhr mit Giuseppe und Maude getroffen, waren im Casa Manolo am „Plaza de Cervantes“, wo es gute und günstige Menüs gibt. Dort haben wir Axel aus Deutschland und Thomas und Anne wiedergetroffen.
Hinterher haben wir eine Bar gesucht, wo es Queimada gibt (eine galizische alkoholische Spezialität mit Kaffeebohnen und Zitronenscheiben, die flambiert wird). Haben wir nach sehr langem Suchen auch gefunden. Sehr stark, kann man nicht viel von trinken.
Um ca. 0:30 Uhr haben wir uns dann auf den Rückweg zu unseren Pensionen gemacht.









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