01-08-2009: Bin heute morgen ausnahmsweise mal um 5 Uhr schon aufgewacht und wollte gerade aufstehen, da habe ich durch das offene Fenster gehört, dass es sehr stark regnete. Deshalb bin ich noch etwas liegen geblieben, in der Hoffnung, dass der Regen zumindest weniger würde. Gegen 6 Uhr (es regnete immer noch, aber nicht so stark) bin ich aufgestanden, alle anderen lagen immer noch in den Betten.
Unten in der Herberge habe ich in aller Ruhe gefrühstückt, verschiedenen Leuten per SMS alles Gute zum Berufsstart gewünscht (auch, um Zeit zu schinden) und dann wohl oder übel Regensachen angezogen und auch den Rucksack regenfest gemacht. Als ich dann nach draußen gegangen bin (mittlerweile war es 7 Uhr, aber immer noch etwas dunkel, wegen der Wolken) hatte der Regen aufgehört. Da das erste Stück durch den Wald verlief, habe ich aber doch den einen oder anderen Tropfen abbekommen.
In der nächsten Bar habe ich dann noch ein Boccadillo gegessen und meine Regenjacke ausgezogen. Durchs Schwitzen war ich nasser als ich es ohne Regenjacke wahrscheinlich gewesen wäre.
Wieder auf dem Weg kam auch bald noch ein Schauer. Ich habe mich schnell untergestellt und die Regenjacke, die auch von innen jetzt wieder halbwegs getrocknet war, wieder angezogen. Als es wieder aufhörte zu regnen, bin ich weiter gegangen.
Bald fing es dann aber wieder an zu regnen und der Regen wurde auch langsam stärker. Eine weitere Pause habe ich in der Sakristei einer Kirche gemacht, deren Tür offen stand und wo zwei Leute auf die Pilger warteten um Pilgerpässe abzustempeln.
In Galizien gibt es in fast jeder Kirche jemanden, der dort sitzt um gegen Spende einen Stempel in den Pilgerpass zu drücken, weil man – wenn man den Weg erst in Galizien beginnt – pro Tag zwei Stempel benötigt.
Heute musste ich an eine Amerikanerin denken, mit der ich mich zu Anfang des Weges über das Wetter unterhalten habe und gemeint habe, das warme Wetter wäre mir wesentlich lieber als wenn es regnen würde. Sie meinte darauf nur, das wäre Einstellungssache. Heute habe ich gemerkt, dass ich im Regen besser gelaunt war, als sonst. Denn gegen den Regen konnte ich doch nichts machen.
Gut gelaunt bin ich dann – ca. 6 Kilometer vor meinem Etappenziel – an einer Bar vorbei, in der Anne und Thomas saßen. Ich habe mich dann noch kurz dazu gesetzt und zusammen sind wir dann bis Arzúa (23 Kilometer, 14:20) gegangen. In der nicht ganz billigen Herberge „Da Fonte“ (9€) bin ich in einem Vierbettzimmer, in dem allerdings nur drei Betten belegt sind. Außer mir sind hier noch zwei etwas ältere Deutsche. Draußen regnet es gerade nicht mehr.
Weil ich ziemlichen Hunger hatte, war ich sofort einkaufen. Die etwas seltsame und nur bedingt freundliche Herbergsmutter hielt uns wohl für ein bisschen blöd und hat jedes mal jemanden gefragt, ob er uns das übersetzen könne. Erst wollte sie mir dann erklären, wo der Supermarkt ist, was ich auch gut verstanden habe. Nach der Hälfte ihrer Erklärung hat sie dann aber plötzlich aufgehört zu erklären und hat mich zum Supermarkt gebracht. War mir dann auch recht.
Hinterher habe ich dann meine Wäsche gewaschen und mir mit Thomas und Anne den nicht billigen Trockner (wahrscheinlich hat man die Preise wegen des Regens erhöht. Wir hatten schließlich keine Wahl.)
Abends war ich in der Pilgermesse. Da sie hier 4 Priester hatten, hat einer Orgel gespielt. Die erste Messe seit Roncesvalles mit Orgel! Nach den Pilgermessen werden die Pilger oft nach vorne gebeten für einen Pilgersegen. Da standen dann plötzlich Alex und Claudi neben mir. Die beiden hätte ich hier gar nicht erwartet. Alex meinte dann „Du kannst mir nicht entkommen!“. Das hat Phillip ihm beigebracht…
Die beiden sind in der öffentlichen Herberge. Hier habe ich noch Ines aus Bad Salzufflen kennen gelernt.
Alex, der eine Dokumentation über den Jakobsweg machen will, hat hier nun endlich sein Interview mit Claudi, Ines und mir gemacht.
Hinterher haben wir zusammen mit Giuseppe und Maude noch etwas zusammen gesessen. Ich musste dann aber bald gehen, weil es schon 22 Uhr war und die Hospitaleros die Herberge schließen wollten. Meine Herberge hätte erst um 23 Uhr zu gemacht.
Dann fiel mir ein, dass ich meine Wäsche ganz vergessen hatte. Beim Trockner war nichts mehr. Anne und Thomas schliefen auch schon und ich wollte sie nicht unbedingt wecken. Bin dann erstmal in mein Zimmer, wo dann auch die Sachen sogar ordentlich zusammengenommen auf meinem Bett lagen. An dieser Stelle noch mal herzlichen Dank an Anne und Thomas!
Meine beiden Zimmermitbewohner schliefen schon so halb, deswegen habe ich mich auch beeilt schnell ins Bett zu kommen.









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