02-07-2009: Meine Hoffnung, dass die gestrige Herberge bezüglich der morgendlichen Öffnung eine Ausnahme war, erwies sich leider als falsch. Auch in Roncesvalles war Aufstehen vor 6 Uhr unerwünscht. Dafür wurde um Punkt 6 das Licht angeschaltet und alle, die noch schliefen mit gregorianischem Choral geweckt. Da die sanitären Anlagen hier zwar nicht gerade im Übermaß vorhanden waren, aber um einiges besser waren, als die in Saint Jean, habe ich sie dem Brunnen vorgezogen – nachdem ich mich mit höllischem Muskelkater aus dem Bett gequält hatte.
Draußen am Brunnen dann noch schnell die Wasserflasche aufgefüllt und los. Ein Teil des Weges ging durch Wald, man musste schon ein bisschen aufpassen, dass man nicht stolperte, denn so hell war es noch nicht. Trotz Muskelkater ging es aber einigermaßen voran.
Im nächsten (oder übernächsten?) Ort habe ich dann Claudi und Susi wiedergetroffen und in einem „Supermercado” dann auch endlich einen Strohhut gefunden, der mir nicht zu klein war. Dort habe ich mir auch ein Baguette (ich kann die Dinger jetzt schon nicht mehr sehen) und ‘nen Apfel gekauft. Dachte mir, ein bisschen gesund sollte man sich vielleicht schon ernähren. Und so ein Baguette komplett ohne was dabei schmeckt auch nicht wirklich gut.
Zu allem Überfluss sah es nun am Himmel sehr nach Regen aus. Also erstmal Regenjacke an und auch den Rucksack regenfest gemacht. Einige Minuten später waren zwar die Wolken wieder weg, ich aber trotzdem nass, weil die Regenjacke zwar wohl kein Wasser reinlässt, aber eben auch nicht wirklich atmungsaktiv ist. Also den ganzen Regenkrams wieder aus. Ein gutes hatte das eher durchwachsene Wetter aber: da die Sonne nicht wirklich schien, brauchte ich mich auch nicht mit Sonnenmilch einkleistern.
Ein paar Kilometer vor Zubiri habe ich dann Lynn aus Kanada wiedergetroffen. Die Frau macht schon seit März eine Reise durch Europa und ist nun auf dem Camino angekommen (ich frage mich, wo die Leute die ganze Zeit hernehmen). Lynn habe ich auch gestern schon getroffen und mich gut mit ihr unterhalten, was die Tatsache vereinfachte, dass sie sehr gut Deutsch spricht, denn ihr Mann kommt wohl aus Deutschland. Mit ihr habe ich dann meine tägliche und obligatorische Cola getrunken.
Auf den letzten Kilometern bis Zubiri kam dann noch Bruno aus Italien mit Minirucksack dazu. Ich frage mich, wie der damit zurechtkommt. Da passt doch allerhöchstens ein Schlafsack und eine Zahnbürste rein.
Als ich dann endlich in Zubiri war (muss so gegen 14 Uhr gewesen sein), saßen schon zwei Mädchen aus Stuttgart auf einer Bank am Ortseingang. Die beiden wollten auch dort bleiben. Also sind wir zur ersten Herberge gegangen, die natürlich schon voll war. Auch in der zweiten, öffentlichen Herberge waren schon alle Betten belegt. Nachdem wir dann alle Pensionen und Hotels abgeklappert hatten, man auch dort keine freien Zimmer hatte, die Sonne immer heißer brannte und wir nach nur 22,8 Kilometern absolut nicht mehr bis zum nächsten Ort hätten weitergehen können und wollen, hat einer der beiden Stuttgarterinnen Telefonnummern von Taxiunternehmen ausfindig gemacht, aber schon nach dem ersten Anruf war klar, dass wir nicht gut genug Spanisch können um am Telefon ein Taxi zu bestellen und der Typ am anderen Ende der Leitung auch nicht wirklich Lust hatte uns zu verstehen. Vielleicht auch gut so. Als dann um 15:30 Uhr die Hospitalera der öffentlichen Herberge kam um die Pilgerausweise zu stempeln, zu kassieren und – noch eine Turnhalle als Notunterkunft zu öffnen, waren wir die drei glücklichsten Menschen der Welt. Ich glaube ich habe mich noch nie so über eine uralte, auf dem Boden liegende Matratze gefreut, wie an dem Nachmittag.
Hier musste ich mich dann doch noch einkremen, weil die Sonne brannte, dass man schon beim Nichtstun schwitzte.
In der Herberge (bzw. in der Turnhalle) habe ich mir dann mal wieder meine Füße neu verarztet und meinen Daumen, an dem ich schon vom Wanderstab eine Blase bekommen habe. Danach dann noch Müsliriegel und Bananen einkaufen, um die Zeit bis zum Pilgermenü um 19 Uhr zu überbrücken. Das war dafür dann aber auch reichlich und lecker. Hinterher sofort ins Bett (die Wäsche ist hier wegen der weniger guten Sanitäranlagen etwas sparsamer ausgefallen).









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