08-07-2009: Heute ging’s um 6:30 Uhr los und bis Logroño auch wieder ganz gut. Dann, in Logroño wurde es von Minute zu Minute schlimmer. Ich glaube, um die Stadt zu durchqueren habe ich wegen der vielen Pausen mehr als eine Stunde gebraucht. Am Ende der Stadt ist dann die Blase an meiner linken Ferse, die in den letzten Tagen immer größer wurde und mittlerweile rekordverdächtige Ausmaße angenommen hatte, geplatzt. Von da an ging gar nichts mehr. Habe meine Ferse erst mit Wundspray etc. versorgt und mit Compeed abgeklebt. Ein paar Meter habe ich versucht mit Badelatschen weiterzulaufen, damit der Schuh nicht auf die Blase drückt. Das ging aber überhaupt nicht, also habe ich kurz vor einem großen See die Wanderschuhe wieder angezogen und bin in der ganzen Aufregung natürlich genau in die falsche Richtung um den See gegangen. Statt nach links zu gehen, hätte ich nach rechts müssen. Nach einer gefühlten Ewigkeit – mittlerweile hatte ich auch bemerkt, dass keine Pfeile mehr kamen und ich garantiert auf dem falschen Weg war – kam dann endlich ein Fahrradfahrer vorbei, der mich dann aufklärte, dass ich vor dem See hätte rechts abbiegen müssen. Da war dann meine Laune spätestens im Keller. An dem Nachmittag hätte ich jedem anderen Pilger nur wünschen können, mich nicht anzusprechen.
Zu allem Überfluss berichtete mein Pilgerführer von einem gewissen „Marcelino”, der sich in wenigen Kilometern irgendwo am Weg aufhielte und Pilgerstäbe und Früchte verschenken würde. So einer hat mir grade noch gefehlt. Der soll mich bloß nicht ansprechen. Vielleicht hat er es gespürt, auf jeden Fall war weit und breit kein Marcelino zu sehen.
So langsam und durch das Singen irgendwelcher Lieder wurde meine Laune dann auch wieder besser, obwohl der Weg nicht wirklich dazu beitrug. Das letzte Stück ging an der Autobahn und einer Landstraße entlang. An der Autobahn führte ein Begrenzungszaun entlang, in den Pilger Kreuze in den Zaun geflochten hatten.
Um 14:30 Uhr bin ich dann erst in Navarrete angekommen. Vor der Herberge (die erst um 15 Uhr öffnete) stand schon eine lange Rucksackschlange und ich bekam die ersten Zweifel, ob ich überhaupt noch einen Platz kriegen würde. Habe dann aber doch noch das vorletzte Bett bekommen.
In der Herberge habe ich mich dann erstmal aufs Bett gesetzt und meine Blase begutachtet. Das heißt, erstmal musste ich irgendwie das Blasenpflaster wieder abbekommen, was gar nicht so leicht war, da die Dinger dafür gedacht sind, mehrere Tage auf der Blase zu bleiben, bis sich darunter eine neue Haut gebildet hat. Aber das Ding musste ab, denn die geplatzte Blase muss ja irgendwie trocknen. Plötzlich stand eine Spanierin vor mir mit Nadel und Betadine (Desinfektionsmittel, dass unter spanischen Pilgern fast so ein Heiligtum, wie Compeed unter deutschen Pilgern ist), denn sie hatte nur gesehen, dass ich eine Blase am Fuß hatte und wollte diese aufstechen, damit die Flüssigkeit herauslaufen kann. Beim dritten Versuch ihr zu erklären, dass die Blase längst offen ist, ich aber das Blasenpflaster nicht abbekomme, hat sie mich dann auch endlich verstanden. Sie war dann so freundlich und hat mir ihr Desinfektionsmittel geliehen und mir ein Stück Verband überlassen. Ich hatte schon ernste Zweifel, ob ich den Weg so weitergehen könne und ob man sich das ganze vielleicht einem Arzt zeigen sollte. Die selbsternannte spanische Krankenschwester in meinem Schlafsaal wusste darauf auch keine wirkliche Antwort und hat erstmal dazu geraten, bis morgen zu warten und wenn es dann schlimmer würde, einen Arzt um Rat zu bitten. Also habe ich unter warmem Wasser versucht, das Blasenpflaster abzulösen, was dann auch geglückt ist, habe die Blase desinfiziert und verbunden, was dann zur Folge hatte, das ich totsicher von jedem Pilger drauf angesprochen wurde.
Nachdem ich mich dann ein bisschen ausgeruht hatte, ging es aber wieder einigermaßen. Habe heute Abend mit Phillipp in der direkt neben der Herberge gelegenen Bar ein Pilgermenü gegessen, Claudi hat sich eine Tiefkühlpizza und Alex sich Nudeln gemacht. Eigentlich wollten wir zusammen kochen, haben aber nicht wirklich was passendes gefunden. Außerdem war der Supermarkt im Ort nach deutschen Hygienemaßstäben eher ungenügend. Schon beim Betreten kam uns ein fischiger Geruch entgegen. Schokolade habe ich mir hier auch keine gekauft, denn die war schon ein halbes Jahr abgelaufen und in einem Karton mit Gebäck lagen tote Fliegen.
Alle Tagebucheinträge gibt es hier: http://petwin89.pe.funpic.de/blog/camino-tagebuch/









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