09-07-2009: Bin heute morgen alleine gestartet. Weiß nicht, ob Claudi und Alex schon auf dem Weg waren oder noch in den Federn lagen. Ich hatte mich schon auf einen sehr beschwerlichen Weg wegen der geplatzten Blase eingestellt, ging aber trotzdem einigermaßen. Andauernd hat mich irgendwer wildfremdes gefragt, wie es meinem Fuß geht. Gehumpelt habe ich eigentlich nicht. Waren die denn alle in der gleichen Herberge wie ich und haben gesehen, wie ich meinen Fuß verarztet habe? Oder die haben alle gesehen, dass ich gestern mit Verband um den Fuß durch den Ort gegangen bin. Vielleicht auch einfach nur, weil es die einzige Frage ist, die man jemandem auf dem Weg stellen kann, den man gar nicht kennt.
Auf dem Weg ging’s heute vorbei an einer Stelle, wo angeblich ein Held namens Roland gegen einen Riesen gekämpft hat. Dort habe ich auch die „Krankenschwester” von gestern und ihre Freunde wiedergetroffen. Haben sich noch mal ausgiebig nach meiner Blase erkundigt.
Außerdem lag eine Fabrik am Weg, auf deren Mauer folgendes Gedicht geschrieben (in verschiedenen Sprachen):
Staub, Schlamm, Sonne und Regen.
Das ist der Weg nach Santiago.
Tausende von Pilgern gehen ihn
und das schon mehr als tausend Jahre.
Wer ruft Dich, Pilger?
Welch geheime Macht lockt Dich an?
Weder ist es der Sternenhimmel,
noch sind es die großen Kathedralen.
Weder die Tapferkeit Navarras,
noch der Rioja Wein.
Nicht die Meeresfrüchte Galiciens
und auch nicht die Felder Kastiliens.
Pilger, wer ruft Dich?
Welch geheime Macht lockt Dich an?
Weder sind es die Leute unterwegs.
Noch sind es die ländlichen Traditionen.Weder Kultur und Geschichte,
noch der Hahn von Santo Domingo.
Nicht der Palast von Gaudi
und nicht das Schloss Ponferradas.
All dies sehe ich im Vorbeigehen
und dies zu sehen ist ein Genuss.
Doch die Stimme, die mich ruft,
fühle ich viel tiefer in mir.Die Kraft, die mich vorantrieb,
die Macht, die mich anlockt,
auch ich kann sie mir nicht erklären.
Dies kann allein nur ER dort oben.
Um ca. 14:30 Uhr bin ich dann nach 24,4 Kilometern in Azofra angekommen. Jetzt sind es „nur” noch 600 Kilometer. Ein Viertel des Weges ist also geschafft!
Die Herberge hier in Azofra (im Gegensatz zum restlichen Ort, der um diese Zeit ausgestorben scheint) ist ganz nett. Die Betten sind in Pressholz-Doppelzellen untergebracht.
Wo die anderen drei sind, weiß ich nicht. Julian, Jenny und die beiden Belgier haben wir gestern noch getroffen. Sie hatten sehr viel Spaß und wollten draußen übernachten. Phillipp sagte gestern, er wolle evtl. in Nájera bleiben. Blöd, dass ich von allen drei keine Handynummer habe. Muss geändert werden.









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