Bin zurück aus dem Urlaub: 10 Tage, 5.000 Kilometer und drei Länder (Bolivien, Perú, Chile). Photos und Reiseberichte kommen in den nächsten Tagen!
Bin zurück aus dem Urlaub: 10 Tage, 5.000 Kilometer und drei Länder (Bolivien, Perú, Chile). Photos und Reiseberichte kommen in den nächsten Tagen!
Gestern hat hier in Orán der Karneval begonnen. Bis Ende Februar sind an jedem Samstag und Sonntag Umzüge – Corsos – durch die Stadt. Wobei diese Umzüge nicht so viel mit deutschen Karnevalsumzügen zu tun haben, denn die Corsos bestehen hier nicht aus Wagen und Blaskapellen, sondern aus Tänzerinnen und Tänzern, die ihre, seit Wochen geprobten Choreographien präsentieren. Photos davon später, aber wenn man bei YouTube „Corso, Orán“ eingibt, bekommt man einen Eindruck.
Ansonsten war diese Woche zwar relativ voll, aber eher unspektakulär. Vor unserem Urlaub in den nächsten beiden Wochen war noch einiges zu tun. Gestern Vormittag haben wir zusammen mit einer der Schwestern aus dem Hogar Luis (einer der Jungs aus dem Hogar) und seine Familie besucht. Gestern war sein 17. Geburtstag. In den Ferien sind er und seine Geschwister bei ihrem Vater, der in einer Finca, ca. eine Stunde von Orán, wohnt und arbeitet.
Morgen geht’s dann los in den Urlaub, zusammen mit Eva und Cristian (arbeitet in der Casa Divina Providencia): zunächst nach Bolivien (Cochabamba, La Paz), dann nach Perú (Titikakasee, Cusco, Machu Picchu) und dann nach Chile, wo wir uns in Arica mit Sebastian treffen und uns von dort gemeinsam auf den Weg zurück nach Orán machen.
Das hier ist unser “Masterplan”:
Auch in der letzten Woche lag die Priorität eher bei den Mikrokrediten. Am Donnerstagnachmittag haben wir zusammen mit Cristina Leute besucht, die in der letzten Zeit nicht gezahlt haben oder einen Mikrokredit benötigen. Viele Leute benötigen diese Kredite um Holz oder Wellblech als Dach zu kaufen. Bevor jemand einen Mikrokredit erhält, besuchen wir ihn, um zu sehen, wie er lebt und was er benötigt. Außerdem überprüfen wir in den Gesprächen vor Ort, ob die Leute überhaupt in der Lage sind, die Raten zu zahlen. Oft fällt beim Vergleich von monatlichem Einkommen und Ausgaben auf, dass kaum noch Geld für diese Raten übrig bleibt. In diesen Fällen ist zu überprüfen, wie gravierend die Situation ist und ob eine Spende vielleicht eine sinnvollere Alternative wäre.
Als wir uns schon auf den Rückweg machen wollten, kam ein Mädchen, das Cristina wohl noch aus der Zeit kannte, als sie bei der Caritas gearbeitet hatte, und hat uns zu ihrer Familie gebracht. Dort erwarteten uns ihre Mutter und zwei Geschwister des Mädchens, einer der beiden, Santiago Ariel, 10 Jahre alt, hat Hämophilie. Seit Weihnachten kann er nicht mehr gehen. In Orán behandeln die Ärzte ihn nicht, dazu muss er einmal monatlich ins drei Stunden entfernte Salta. Die Stadt bezahlt zumindest die Hinfahrt. Die Medikamente sind unheimlich teuer, normalerweise erhalten sie diese von der Stadt kostenlos, im letzten Monat gab es aber nicht genügend, sodass die Mutter sie selbst kaufen musste. Das Präparat kostet 1.000$ (ca. 200 Euro), das Geld kann sie nur in Raten zahlen. Cristina versucht nun, Krücken für den Jungen zu bekommen. Als Toilette dient zur Zeit nur ein Loch im Boden, durch ein Programm der Stadt könnte die Familie ein richtiges Bad bekommen, Ende Januar wissen wir, ob es klappt, falls nicht, werden wir helfen. Außerdem möchten sie eine kleine Galerie überdachen.
Das letzte Wochenende haben wir zeltend im Nationalpark Calilegua mit Pablo und Hugo verbracht. Ein sehr schönes Wochenende. Photos gibt’s in der Galerie!
Die letzten beiden Wochen waren – bis auf ein Großereignis – eher unspektakulär. Im Hogar haben wir vor Weihnachten mit den Kids, die noch da waren, den Pool gesäubert, gestrichen und dann endlich das Wasser eingelassen (dabei war ich mindestens genauso ungeduldig, wie die Kids, die stündlich gefragt haben, ob die Farbe nun trocken genug sei). Am Tag vor Weihnachten gab es ein Mittagessen für alle Mitarbeiter und Freiwilligen im Hogar. Danach haben wir dann den Pool „eingeweiht“. Obwohl das Wasser auch nach zwei Tagen mir nur bis zu den Knien ging (bei der Hitze ist der Wasserdruck sehr niedrig), war das eine willkommene Abkühlung.
Den Heiligen Abend haben wir zusammen mit José Luis gefeiert. Nach der Christmette (zur Danksagung wurde „Stille Nacht“ auf Spanisch gesungen!) sind wir zu ihm nach Hause gefahren, wo wir zusammen seinem Bruder, einem seiner Söhne mit Freundin und einem der Jungs aus dem Hogar gefeiert haben. Zum Abendessen gab es traditionell gegrilltes Schwein, Rind, Huhn und Salate. Um Mitternacht gab es dann – wie bei uns nur an Silvester üblich – ein Feuerwerk. Danach haben wir uns an der Krippe versammelt und gemeinsam „Stille Nacht“ gesungen – abwechselnd eine Strophe auf Spanisch und eine auf Deutsch. Dieser Moment hat mich tief berührt. Im Anschluss durfte dann jeder sein Geschenk auspacken. Gefeiert haben wir noch bis ca. 3 Uhr morgens, sodass der Morgen des 25. Dezember hauptsächlich zum ausschlafen diente. Den Nachmittag haben wir dann alle zum Skypen bzw. Telefonieren genutzt.
Die Festmesse in „unserer“ Gemeinde, abends um 20 Uhr war besonders schön gestaltet mit Liedern und Tänzen einiger Kinder. Hat mir das Weihnachtslieder-Singen am 24. Dezember etwas gefehlt, bin ich am 25. voll auf meine Kosten gekommen. Mithilfe des Liedheftes der Gemeinde konnten wir hier nun auch die spanischen Weihnachtslieder mitsingen, nach dem Schlusssegen wurden Tänze und Lieder dann noch mehrfach wiederholt. Anschließend fand vor der Kirche ein Krippenspiel statt – aktualisiert in die heutige Zeit und die Situation in Orán.
Im Hogar war ich in der letzten Woche nicht, einerseits sind dort momentan nicht so viele Kinder, morgens gibt es ein Ferienprogramm der Stadt, andererseits waren auch genügend andere Dinge zu tun. Am Freitag haben wir eine Indígenas-Gemeinde besucht und Lebensmittelspenden vorbei gebracht.
Und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen.
Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe,
weil in der Herberge kein Platz für sie war.
Lk 2,7
Liebe Freunde, Mit-JMVler, Mitbrüder, Mitstudenten und Blogleser,
das Fest der Geburt Jesu Christi steht unmittelbar bevor, das Kalenderjahr naht sich dem Ende. Auf diesem Weg möchte ich Euch und Ihnen allen, egal ob in Asien, Amerika oder Europa, für das vergangene Jahr danken. Danke für Unterstützung, Begleitung, für Gespräche, Ratschläge, Zurechtweisungen, für gemeinsam verbrachte Zeit.
Euch und Ihnen allen wünsche ich ein frohes, gesegnetes und nicht allzu stressiges Weihnachtsfest und dass diese Tage uns nicht nur an das erinnern, was vor 2000 Jahren in Bethlehem passiert ist, sondern wir unsere Herzen der Liebe Jesu Christi öffnen können, damit Er auch in unserer Mitte und in unseren Herzen geboren wird.
Herzliche Grüße aus Argentinien,
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Dass Patronatsfeste hier in Argentinien wesentlich größer begangen werden, als das in Deutschland der Fall ist, habe ich ja schon erwähnt. Am 8. Dezember, dem Fest der unbefleckten Empfängnis Mariens, war Patronatsfest in einer der Kirchen Oráns. Nun kommt hier noch die sehr starke Marienverehrung der Argentinier hinzu, sodass dieses Fest mit einer großen Prozession und einer Abschlussmesse mit dem Bischof von Orán auf dem Platz vor der Kirche gefeiert wurde. Der 8. Dezember (und der 9. gleich dazu) ist Feiertag in Argentinien. Für die Kids im Hogar machte das keinen großen Unterschied, denn die ersten drei Tage der Woche waren sie wetterbedingt auch nicht in der Schule. Am Donnerstag haben sich dann – passend zur Prozession – auch die Wolken verzogen, Regen hatten wir bis dahin auch genug, sodass wir mit einigen Kids an Prozession und Messe teilnehmen konnten. Dazu haben sich viele Gruppen aus und um Orán mit ihren Marienfiguren auf einen teilweise mehrstündigen Fußweg gemacht.
Den freien Freitagnachmittag haben wir dazu genutzt, etwas Weihnachtsdeko mit den Kids zu basteln und ein bisschen zu dekorieren.
Anfang dieser Woche hat es mich dann doch auch mal erwischt und ich habe mir den Magen verdorben (was aber weniger an verdorbenem Trinkwasser oder argentinischen Eigenheiten lag, sondern wahrscheinlich eher an einem wohl doch etwas zu alten Stück Schinken). Nach knapp zwei Tagen Tee, Toastbrot und Kartoffeln war’s dann aber auch wieder gut.
Den Rest der Woche hat sich fast alles auf den Hogar konzentriert, denn am Freitagabend war dort Weihnachtsfeier, das Schuljahr zu Ende, einige Kids fahren zu ihren Eltern. Auch wenn’s den Tag über hin und wieder ein bisschen chaotisch war ist doch abends alles super gelaufen und es war eine schöne Feier. Am Samstag gab es dann nach einem gemeinsamen Mittagessen mit allen (Asado!) Geschenke für Mitarbeiter und für die Kinder, danach sind schon die ersten nach Hause gefahren, die meisten von ihnen werden wir wohl erst im März, wenn das neue Schuljahr beginnt, wiedersehen…
Michael Kuhnert (Südamerika-Referent bei Adveniat), der vier Jahre in Orán gelebt hat und hier viele Projekte gegründet und aufgebaut hat, sprichtauf WDR2 über seine Erfahrungen in Lateinamerika. Sehr hörenswertes Interview:
http://medien.wdr.de/radio/wdr2sonntagsfragen/wdr2_sonntagsfragen_20111211_0900.mp3
Schon wieder ist mehr als eine Woche seit dem letzten Blogeintrag vergangen. Aufgrund sehr unregelmäßiger Internetverbindung und wenig Zeit erst jetzt wieder ein Lebenszeichen von mir. Vor allem im Hogar merkt man nun, dass es auf Weihnachten und auf das Schuljahresende zu geht. Der letzte Schultag ist am 16. Dezember, aber schon in dieser Woche waren die Kids nicht zur Schule, aufgrund des Wetters. Nur die, die noch Prüfungen hatten, mussten gehen. Allgemein scheint ein Fehlen in der Schule nicht so schlimm zu sein, wie in Deutschland. Auch die Hausaufgabenbetreuung wird schwieriger, denn so wirklich Lust hat niemand mehr – das ist wiederum in Deutschland am Schuljahresende genauso.
Am Donnerstag war dann mein erster Geburtstag außerhalb Deutschlands. Morgens bin ich morgens in den Hogar gefahren um dort ein bisschen zu feiern und Kuchen auszugeben. Der Nachmittag war dann relativ voll und relativ stressig: zunächst bin ich mit Cristina rundgefahren, danach sind wir mit einigen Kids aus dem Hogar zum Radio gefahren, um dort etwas für’s Krippenspiel aufzunehmen.
Samstag gab’s nach einer weiteren Krippenspielprobe den letzten Workshop für dieses Jahr. Am Abend haben Eva und ich unseren Geburtstag gefeiert (ein paar Photos davon in der Galerie). Nach nur zwei Stunden Schlaf ging’s am Sonntagmorgen um 7 Uhr los nach „Aguas calientes“, zu einem Ausflug mit den älteren Kids, die auch an den Workshops teilgenommen haben (ca. ab 11 Jahren). Dort ist ein Campingplatz mit Schwimmbecken. Sowohl den Kids als auch uns hat es sehr viel Spaß gemacht und am Abend waren nicht nur wir müde (Photos kommen demnächst).
Seit Sonntagabend regnet es nun schon fast ununterbrochen mal mehr und mal weniger. Die Straßen haben sich in Schlammlöcher verwandelt, vor allem gen Hogar, der etwas außerhalb liegt, sind die Straßen mit dem Rad kaum passierbar, wenn man es dann doch geschafft hat, sieht man aus, wie nach einer Schlammschlacht. Laut Wetterbericht soll’s zum Wochenende besser werden…

